Von der Ranch in die Boxhalle

„Ich werde eines Tages Boxweltmeister sein, und es ist mir egal, wie lange das dauert.“

Der US-Schriftsteller und Musiker Willy Vlautin porträtiert in seinem neuen Roman „Ein feiner Typ“ (Berlin) einen ungewöhnlichen Außenseiter. Horace heißt der junge Mann, der auf einer Ranch arbeitet. Er ist halb irisch und halb Paiute, ein „Halbblut“, nirgendwo so richtig daheim.

Obwohl er Tiere und die Arbeit auf der Ranch mag, und obwohl ihn das alte Rancherehepaar Mr. & Mrs. Reese wie einen Sohn behandelt, zieht es Horace in die Stadt. Er möchte Preisboxer werden. Siege erringen. Berühmt werden. Mr. & Mrs. Reese ahnen, dass das nicht gut gehen kann, doch Horace will seinen Traum verwirklichen. Um jeden Preis.

Statt Ranch, Pferden, Schafen und Lagerfeuer zählen nun also Boxhallen, Kämpfe, Trainingseinheiten und Deals mit Trainern. Eine unbarmherzige, harte Welt. Willy Vlautin begleitet Horace verständnis- und liebevoll, so wie er das mit all seinen Figuren macht. Wie in einer ruhigen, stimmungsvollen Dokumentation zeigt Vlautin Horaces unbändigen Willen. Und seine dramatischen Niederlagen. Mr. & Mrs. Reese möchten Horace zurück auf die Ranch holen, sein Leiden beenden, ihm die Ranch überschreiben. Doch Vlautin ist zu sehr Realist, um ein Happy End zu konstruieren.

In Vlautins Romanen kämpfen anständige, arme Amerikaner um Anerkennung und Würde. Meist verlieren sie. Und dennoch gewinnen sie: die Herzen der Leser*innen, die sich von Vlautins stillen Meisterwerken berühren lassen.

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