Mehr Humanismus!

Was tun gegen Trump, Putin und die Populisten in Süd- und Osteuropa? Gegen die Schere zwischen Arm und Reich, die Konzentration von Macht und Kapital? Paul Mason legt mit „Klare, lichte Zukunft“ (Suhrkamp) eine 400 Seiten starke Streitschrift vor. Der britische Wirtschaftsjournalist und Politaktivist fordert eine Rückbesinnung auf humanistische Werte. Mason, der sich in seinem Bestseller „Postkapitalismus“ bereits Gedanken über eine neue Wirtschaftsform machte, stört die fortwährende Dominanz des Neoliberalismus:

„In der Ära der freien Marktwirtschaft lernten wir, die Unterwerfung des Menschen unter die Marktkräfte zu akzeptieren. Wir behandelten Begriffe wie Bürgerrechte, Moral und Handlungsmacht so, als wären sie irrelevant in einer von Konsumentscheidungen und kreativer Finanztechnik beherrschten Welt.“

Nun sei es an der Zeit, etwas zu ändern, fordert Mason. Schluss mit Fatalismus, „der vorherrschenden Geisteshaltung auf unserem Planeten“. Mason blickt zunächst zurück. Er beschreibt, wie Donald Trump überhaupt an die Macht kommen konnte. Wie die Wirtschaftselite weltweit auf Deregulierung drängte, die organisierte Arbeiterklasse verschwand, die Ungleichheit wuchs und der Staat der Gesellschaft in sämtlichen Lebensbereichen den Wettbewerb aufzwang. Und: Wie viele Menschen offenbar ihre Fähigkeit zum logischen Denken verloren haben, und wie die autoritären Rechten geschickt davon profitierten.

Für Paul Mason steht fest: Der Mensch muss in den Mittelpunkt unserer Weltsicht rücken, nicht der Profit. Die Propaganda von Eliten, Faschisten und Bürokraten muss intelligent widerlegt werden. Folgerichtig zeigt Mason etwa, wie man Technologien zur Förderung des menschlichen Wohlergehens nutzen könnte. Für den Briten steht zudem fest: Nur wenn wir gegen Monopole und Preisabsprachen kämpfen, gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und Lohnstagnation, sowie das Horten von Informationen, hat der Humanismus noch eine Chance.

„Klare, lichte Zukunft“ ist die perfekte Ergänzung zu Yuval Noah Hararis genialer Bestandsaufnahme „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ (C. H. Beck). Während Harari ausgewogen und ruhig argumentiert, spürt man Masons Zeilen seine Wut und seinen Willen an, etwas zu verändern. Zwei wichtige, kluge Bücher.

2 Gedanken zu “Mehr Humanismus!

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