Sex, Liebe, Lügen

„Er begleitet sie zum Taxistand, presst die Lippen an ihren Hals. Adèle springt in den Wagen, ihr Haar ist verwuschelt, ihr Körper von Liebe getränkt. Ihre mit Gerüchen, Zärtlichkeiten und Speichel gesättigte Haut strahlt in neuer Frische. Jede Pore verrät sie. Ihr Blick glänzt feucht. Sie wirkt wie eine Katze, lässig und kess.“

Wenn dieser neue Roman aus Frankreich ein Film wäre, bekäme er eine Altersfreigabe wohl erst ab 16 oder 18. Denn die Sex-Szenen sind heftig. Und verstörend. Aber notwendig. Denn Leïla Slimani in „All das zu verlieren“ (Luchterhand) erzählt von Adèle, einer zerrissenen Frau. Nach außen führt die Journalistin ein privilegiertes Leben in einem schicken Pariser Viertel, mit Ehemann und kleinem Sohn. Doch in ihr brodelt es.

Adèle sucht den Schmerz, das Risiko, die Gefahr. Sie liefert sich fremden Männern aus, möchte harten, animalischen Sex haben. Ein wütendes Verlagen treibt sie ins Verderben, immer wieder aufs Neue. Schnell, klar und nüchtern porträtiert Leïla Slimani ihre getriebene Hauptfigur, in einer flirrenden, stichwortartigen Prosa.

Kann Adèle ihrem wahren Wesen entfliehen, ihrem Verlangen entsagen? Diese Fragen ziehen sich durch den Roman. Nachdem Adèles Ehemann Richard einen schweren Unfall hatte, möchte er mit seiner Frau von vorne anfangen, aufs Land ziehen, endlich ein echtes Familienleben führen. Ist das die Chance für Adèle, vor sich selbst in Sicherheit zu geraten. Oder wird dadurch alles noch schlimmer werden?

Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani beschönigt nichts. Ihr Sex-Liebe-Lügen-Roman wirkt authentisch und zeigt eine Frau, die zwischen zwei Welten hin- und hergerissen wird. Mehr über den Roman auch in meinem Podcast „Long Story Short“, Folge 4. Einfach hier klicken. 

„Adèle hat die Welt zerrissen. Sie hat die Beine der Möbel abgesägt, hat die Spiegel geblendet. Sie hat den Geschmack der Dinge verdorben. Die Erinnerungen, die Versprechen, all das ist wertlos.“

 

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