Anspruchsvolle Leichtigkeit

„Ein kurzer Schlaf, der sich anfühlte wie eine komfortable Parkbank im hintersten Winkel des Universums.“

Cheng ist wieder da – endlich! Nach fast zehn Jahren Pause hat Heinrich Steinfest wieder einen Roman aus seiner Reihe um den einarmigen Wiener Privatdetektiv mit chinesischen Wurzeln geschrieben. „Der schlaflose Cheng“ (Piper), Band Nr. 5, funkelt – wie fast alle Bücher Steinfests – vor Originalität, Einfallsreichtum und anspruchsvoller Leichtigkeit.

„Vom Meer her ein Klang als hätte Gott sich verschluckt.“

Der Plot beginnt auf Mallorca und führt später nach London, Reykjavík, Edinburgh, Darmstadt, und natürlich nach Wien. Trotz all der Ortswechsel lässt Heinrich Steinfest nie den ursprünglichen Fall aus den Augen: Cheng, der niemals rennt oder kämpft (das ist unter seiner Würde), muss den Mord an einem Hollywoodstar in London aufklären. Hauptverdächtiger ist ausgerechnet der deutsche Synchronsprecher des Schauspielers. Cheng befragt ihn und stößt auf ein düsteres Geheimnis in der Vergangenheit des Sprechers. Verspielt, in feinem ironischem Ton und höchst akrobatisch formulierend, zeigt Steinfest einmal mehr, was (Kriminal-) literatur kann. Überraschend sein zum Beispiel. Und schöngeistig, ohne abgehoben zu wirken. Zahlreiche Preise hat der österreichische Schriftsteller für seine Werke schon bekommen – jetzt fehlt nur noch der kommerzielle Durchbruch. Also, meine Empfehlung: Kaufen!

„In unserer Welt ist die Wahrheit eigentümlich unglaubwürdig.“

 

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