Ursula Poznanski im Interview

Acht Kinderbücher, neun Jugendbücher, sieben Thriller – und jetzt der Start einer neuen Krimi-Reihe, „Vanitas, Schwarz wie Erde“ (Knaur): Ursula Poznanski ist eine der produktivsten, vielseitigsten und erfolgreichsten deutschsprachigen Autorinnen. Ich habe gestern Abend die Lesung der 50-jährigen Wienerin in München moderiert. Hier Auszüge aus unserem Gespräch:

Unterscheidet sich Ihr Schreibprozess, wenn Sie an Büchern für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene arbeiten? Nein, nicht besonders. Erwachsenen kann ich aber mehr zumuten, vielleicht auch mal kein Happy-End. Und bei Kindern muss ich manchmal überlegen, ob sie bestimmte Worte kennen – über „oszillierend“ habe ich zum Beispiel gerade nachgedacht, und es dann weggelassen. Und bei Schallplatten war ich mir nicht sicher, ob die meisten Jugendlichen sie überhaupt noch kennen. Grundsätzlich läuft die Schreibarbeit aber sehr ähnlich ab: Ich nehme mir jeden Tag vier bis sechs Seiten vor, und das ziehe ich dann durch.

Liest Ihr Sohn Ihre Bücher? Zurzeit leider nicht – er beschäftigt sich lieber mit Computerspielen. Aber ich nehme das nicht persönlich, denn er liest auch keine anderen Bücher. Und irgendwann kommt er hoffentlich wieder auf den Geschmack.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, Ihre neue Hauptfigur Carolin in einem Blumenladen arbeiten zu lassen? Weil Blumen der größtmögliche Unterschied zu ihrem Leben davor sind. Carolin hatte als Polizeiinformantin einige schlimme Erfahrungen gemacht und musste eine neue Identität annehmen. Im Umfeld der Blumen kann sie sich ein bisschen davon erholen; aber nicht zu lange, dann wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Und der Wiener Zentralfriedhof ist gleich um die Ecke des Ladens – die Toten sind immer in Carolins Nähe.

Stimmt das Klischee, dass die Wiener den Tod mögen? Da ist schon etwas dran. In „Vanitas“ schreibe ich: „Nirgendwo sonst ist man mit dem Tod so gerne per Du“. Das hat eine große, schaurige Tradition. Denken Sie nur an das Lied „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros aus dem Jahr 1974. Ich finde die Vorstellung völlig in Ordnung, das der grantige Gevatter Tod durch Wien zieht – und durch meine Thriller.

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