Schirach, mal persönlich

„Das Recht schützt auch Menschen, die es verachten.“

Klar, auch im neuen Buch von Ferdinand von Schirach geht es um Recht und Gerechtigkeit. Doch nicht nur. In „Kaffee und Zigaretten“ (Luchterhand) mixt der ehemalige Strafverteidiger autobiografische Erinnerungen, kluge Notizen und alltägliche Beobachtungen. Er erzählt von seinem silbernen Zigarettenetui, den Sommerferien 1981 in London, und er kritisiert seinen Großvater, einen Nazi:

„Vielleicht bin ich auch aus Wut und Scham über seine Sätze und Taten der geworden, der ich bin.“

Von Schirach ist ein kluger Mahner, ein feiner Beobachter und ein nachdenklicher Essayist. Er notiert Widersprüche, Absurditäten und Skurrilitäten. Erinnert sich an Begegnungen mit Mick Jagger, Lars Gustafsson und Imre Kertész. Lobt die demokratischen Verfassungen und die Filme von Michael Haneke. Wer den 55-jährigen Bestsellerautor ohnehin schon schätzt, der wird diese bunte, nachdenkliche Sammlung von Texten und Gedanken lieben. Wer von Schirach grundsätzlich eher kritisch beurteilt, wird dieses Buch als überflüssige Verwertung von Abfallprodukten seiner bisherigen Tätigkeit betrachten. Sicher ist: So persönlich hat er noch nie geschrieben.

3 Gedanken zu “Schirach, mal persönlich

  1. Und diesen Blick, mit dem er auf den Moderator Gottschalk schaute in dieser trivialen Literatursendung letzthin, den vergesse ich so schnell nicht. Wie sagt man: der sprach Bände…
    Gruß von Sonja

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