Cowboy vs. Model

Ein zugemüllter Pick-up rumpelt durch die kalifornische Provinz. Am Steuer: Charles, ein wortkarger Detektiv, fast ein Cowboy. Neben ihm: Phoebe, eine launische Journalistin, fast ein Model. Das explosive Paar aus Jonathan Lethems „Der wilde Detektiv“ (Tropen) sucht auf seinem Road-Trip eine vermisste junge Frau. Und es kommt sich selbst gefährlich nah, trotz aller Widersprüche.

„Ich sah uns als zwei Kontinente, aneinander angrenzend, aber innerlich einsam. Aber hey, trotz alledem war es nicht schlecht.“

Der vielfach ausgezeichnete Jonathan Lethem hat einen lässigen Roman im Stile Raymond Chandlers geschrieben, komplett aus Phoebes Perspektive. Ein Mix aus wildem Western und origineller Lovestory, kreativ formuliert, mit umwerfenden Metaphern:

„Das Wüstengestrüpp tüpfelte den staubigen, geschundenen Boden mit der Kraftlosigkeit von Achselhöhlengrün oder Teenagerschamhaaren.“

Unterwegs im Pick-up, versuchen Charles und Phoebe der aggressiven Donald-Trump-Stimmung zu entkommen. Tatsächlich treffen sie auf Gleichgesinnte: Freaks und Aussteiger, die sich vor der derzeitigen USA verstecken. In Tunnels, auf Bergen, in der Wüste. Ein lakonisch erzählter, präzise beobachteter Roman, so stimmungsvoll wie ein David-Lynch-Film.

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