Neuerscheinung · Rezension · Romane

Medienmanipulation in Osteuropa

troll, tropen, michal hvorecky, rezension, günter keil „Die Trolle sorgten dafür, dass das Netz immer mehr den Sumpf der zornigen Seelen im fünften Kreis der Hölle ähnelte. Aus Angst, aus Gehässigkeit, aus Rachedurst, aus Hass gegen alle anderen und gegen sich selbst.“

Willkommen in den Sozialen Medien: Es wird gelogen, manipuliert und gehetzt. Bezahlte Trolle verunglimpfen Menschen, die für Demokratie kämpfen oder die Regierung kritisieren. Der slowakische Autor Michal Hvorecky hat mit „Troll“ (Tropen) einen brisanten, ultraschnellen Roman geschrieben. Der Plot spielt in naher Zukunft. Die EU gibt es nicht mehr, stattdessen im Osten ein „Reich“, in dem Aktivisten, Künstler, Oppositionelle und die schwächsten Glieder der Gesellschaft systematisch fertig gemacht werden.

„Vor unseren Augen geschah etwas Komplizierteres als Propaganda: Man konnte nichts belegen, und gleichzeitig verlor der Begriff des Beweises seinen Sinn.“

Der namenlose Held der kurzen Geschichte versucht mit seiner Freundin, das System von innen heraus zu überlisten. Die beiden verbreiten ebenfalls Hass und Lügen, um nicht aufzufallen – ob sie es schaffen, die Spirale der Desinformation zu vernichten? Wird nicht verraten. Nur so viel:

Michal Hvorecky (rechts) hält sein hohes Tempo. Er zeigt souverän und schockierend, wie stark der Einfluss der Medienmanipulation in Osteuropa geworden ist. Das Unfassbare daran: Eigentlich ist „Troll“ gar keine Dystopie, sondern (fast) schon Realität. Der 41-jährige Autor, der sich in seiner Heimat für Demokratie und Pressefreiheit einsetzt, kennt zahlreiche Beispiele von politisch motivierten Troll-Attacken aus eigener Erfahrung.

Ich habe Hvorecky für SPIEGEL ONLINE interviewthier das spannende Gespräch. Künstler wie Hvorecky, die sich mutig in der Öffentlichkeit positionieren, sind für den Fortbestand der Demokratie und das friedliche Zusammenleben in Europa extrem wichtig – ich bewundere sein Engagement.

Ein Kommentar zu „Medienmanipulation in Osteuropa

  1. Ja, solche Troll-Angriffe von rechter Seite kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Interessantes Buch. Schaue ich mir gerne mal an. Danke für die Vorstellung.
    Beste Grüße, A. Goldberg

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