Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension · Romane

Der empathische Ermittler

„Im Grund dachte er an nichts. Er schaute und schwitzte und vergaß die Zeit und ein wenig auch sich selbst.“

Tabor Süden ist wieder da. Nun ja, so richtig da ist er zunächst nicht. Friedrich Anis berühmter Ermittler wirkt in „Der Narr und seine Maschine“ (Suhrkamp) zu Beginn etwas abwesend. Aber das passt zu diesem schweigsamen, seltsamen, eigenwilligen Typ.

Schließlich nimmt Süden einen neuen Auftrag an. Er soll einen älteren Schriftsteller suchen. Dieser Mann hat früher erfolgreiche Krimis geschrieben und 30 Jahre lang mit seiner Mutter in einem kleinen Hotel gelebt. Nun ist er plötzlich verschwunden. Tabor Süden befragt Freunde und Kollegen des aus der Welt Gefallenen und übernachtet im Zimmer des Schriftstellers, um ein Gespür für ihn zu bekommen. Mit viel Ruhe und Empathie spürt er den Mann letztlich auf. Aber kann er ihn auch retten? Will er überhaupt gerettet werden? Wie so oft in den Romanen von Friedrich Ani hat man den Eindruck, dass seine Figuren außerhalb der modernen Gesellschaft besser aufgehoben sind als in deren Mitte. Von der aus sie – nicht selten freiwillig – verschwinden.

Mich hat dieser kurze, melancholische Krimi zu Tränen gerührt, und manche von Friedrich Anis Sätzen musste ich immer wieder und wieder lesen, so poetisch und feinsinnig sind sie. Eine kurze Meditation über eine Vermissung, von Ani als Hommage an den Noir-Schriftsteller Cornell Woolrich konzipiert, der im Herbst vor 50 Jahren starb.

„…und die Nacht dauerte an und nannte sich Tag.“

2 Kommentare zu „Der empathische Ermittler

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