Neuerscheinung · Rezension · Romane

Im Ferrari durch die Wüste

„So viele Motelzimmer, unzählige Diner, in denen wir zu Abend aßen, Tausende Meilen, die wir auf derSuche waren.

1983: Zwei Künstler fahren in einem gemieteten Ferrari durch die USA. Er: Adrian Ballon, 49, ein Superstar der Aktionskunst-Szene. Sie: Frieda Beier, 29, eine deutsche Textilkünstlerin.

In seinem beeindruckenden Debüt „Der Tag endet mit dem Licht“ (Rowohlt) schickt Denis Pfabe seine markanten Protagonisten auf eine mysteriöse Reise. Ballon und Beier sind kein Paar, nur Kollegen. Der unbequeme Ballon möchte die introvertierte Beier unbedingt auf seiner Suche nach Ausstellungsobjekten dabeihaben. Warum, weiß sie lange Zeit nicht. In intensiven, knappen Sätzen schildert Pfabe die wochenlangen Fahrten im Ferrari und die Anspannung zwischen den Künstlern. New York, Virginia, Pennsylvania, Illionois, Texas… Pfabe ist ein präziser Beobachter, der seine Geschichte in einen bildstarken Kunst-Western verwandelt.

Nur drei Mal findet Adrian Ballon, was er sucht. In abgelegenen Kleinstädten lässt er von seiner Crew komplette Wohnzimmerfenster mitsamt Mauerwerk aus Einfamilienhäusern stemmen. Die schweren Objekte werden anschließend abtransportiert. Frieda Beier beobachtet zweifelnd diese Aktionen, bezahlt im Auftrag Ballons die Mitarbeiter mit seinem Geld und versucht, eine engere Verbindung zu dem schweigsamen Mann aufzubauen. Tatsächlich öffnet er sich ihr schrittweise, und Beier wird klar, dass Ballon über seine Kunstprojekte seine dramatische Kindheit aufarbeitet. In diesem Punkt sind die beiden sich ähnlich – auch Beier hat Furchtbares erlebt. Und auch sie sucht nach Wegen, mit Kunst die Konfrontation mit ihrer Vergangenheit aufzunehmen. Doch der Road-Trip endet tragisch. Und erst 25 Jahre später gelingt es Frieda Beier, Ballons Wer zu entschlüsseln.

Der 32-jährige Denis Pfabe hat einen unheimlich starken Roman über Kunst und Wahn geschrieben. Eine kurze, eindringliche Geschichte, die noch lange nachhallt.

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