Neuerscheinung · Rezension · Romane

Parabel auf Heimweh, die Liebe und Lebensträume

Eine Hommage an die Berge und das bäuerliche Leben, ein historischer Roman, eine Liebesgeschichte und eine moderne Komödie – kann man all dies in einem Buch vereinen? Unmöglich.

Möglich. Alex Capus gelingt es. Auf nicht einmal 200 Seiten erzählt er in „Königskinder“ (Hanser) zwei Geschichten, die kunstvoll miteinander verwoben sind. Capus beginnt in der Gegenwart, im bergigen Greyerzerland. Tina und Max bleiben mit ihrem Auto im Schnee stecken, eine ganze Nacht lang. Zum Zeitvertreib erfindet Max für Tina eine Geschichte, die genau dort in den Bergen, zur Zeit der französischen Revolution, ihren Anfang nimmt. Eine tragikomische Liebesgeschichte um den Knecht Jakob und Marie, die Tochter eines reichen Bauern. Jahrelang dürfen sie sich nicht sehen, nur sehnen.

In federleichter, feiner Prosa beschriebt Alex Capus das Unglück der Liebenden sowie den Alltag auf dem Land. Zwischendurch springt er zurück in die Gegenwart, ins verschneite Auto in den Schweizer Bergen. Dort unterbricht Tina Max´ Erzählung und kritisiert seine angeblich klischeehafte Schilderung. Max behauptet jedoch, alles habe sich genau so zugetragen, und fährt mit der Geschichte fort. Durch dieses Wechselspiel zwischen den Jahrhunderten bekommt Capus´ Roman eine doppelbödige, reflektierende Ebene.

Nach vielen Jahren finden Marie und Jakob schließlich zueinander. Ausgerechnet in Versailles, wo sich Elisabeth, die kleine Schwester von König Ludwig XVI, für das Paar stark macht. Eine höchst vergnügliche Geschichtsstunde.

Die muntere Parabel auf Heimweh, die Liebe und Lebensträume gibt es auch als Hörbuch (Der Hörverlag), herausragend gelesen von Ulrich Noethen.

 

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