Neuerscheinung · Rezension · Romane

Im finnischen Lappland

„Einen Sommer. Einen solchen Sommer und noch ein halbes Jahr, das hatten wir, und das soll jetzt für ein ganzes Leben reichen?“

Als Viljami aus dem Krieg zurückkommt, ist Lempi, seine Frau, verschwunden. Die Finnin Minna Rytisalo erzählt in ihrem 200-Seiten-Debüt „Lempi, das heißt Liebe“ (Hanser) eine dramatische, leise Geschichte von Verlust und Schmerz. Aber auch von Hass und Lüge. Denn im Verlauf des Romans stellt sich heraus, dass es mehrere Versionen der großen tragischen Liebesgeschichte gibt.

Aus drei Perspektiven berichtet Minna Rytisalo vom jungen Bauernsohn Viljami, der sich in Lempi, die Tochter eines Ladenbesitzers in Lappland, verliebt. Viljami trauert um seine Frau und ihr gemeinsames Glück – die erste Erzählebene. In der zweiten entwirft Elli, die Magd am Hof des Ehepaares, ein differenzierteres Bild. Elli hasste Lempi, denn sie wäre gern selbst Viljamis Frau gewesen. Schließlich nimmt sie Lempis Platz ein, als diese nicht mehr nach Hause kommt. Im dritten Teil setzt Lempis Schwester Sisko die Differenzierung fort: Lempi war wohl doch nicht die Heilige, als die sie ihr Mann in Erinnerung behält. Die Fassade der uneingeschränkten Liebe bröckelt, und als Leser reist man gebannt durch drei Versionen der Wahrheit.

Eine vielschichtige, ruhige Erzählung vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs im finnischen Lappland.

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