Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Das Mädchen mit den Revolverheldenaugen

Ihren Teddy hat sie noch. Obwohl sie schon betrügen, boxen, stehlen und schießen kann. Polly ist zwar erst elf, aber sie wird innerhalb weniger Tage zur Kriminellen. Weil es ihr Vater so will. Weil sie und er sonst sterben müssten.

In seinem revolverkugelschnellen Debütroman „Die Rache der Polly McClusky“ (Ullstein) skizziert Jordan Harper eine unkonventionelle Vater-Tochter-Beziehung. Politisch absolut nicht korrekt und verdammt spannend. Denn Papa Nate, soeben aus dem Gefängnis getürmt, kidnappt Polly vom Schulhof, rast im Autor mit ihr durch Kalifornien und macht aus ihr eine abgebrühte Komplizin. Die beiden rauben, töten und lassen ihre Verfolger hinter sich.

Stimmt schon: das klingt erstmal übertrieben durchgeknallt, basiert aber auf einer bestechenden Logik. Denn Nate hat sich im Knast mit einer mächtigen Gang angelegt, die seine Familie daraufhin mit einem tödlichen Fluch belegte. Nates Exfrau wurde bereits ermordet, Polly ist die nächste auf der Liste. Durch diesen Dreh wird aus dem kriminellen Vater ein moralischer Beschützer.

Jordan Harper hat einen schnellen, harten Thriller geschrieben. Ein starker Road-Trip mit staubtrockener Ironie und einem faszinierenden Mädchen mit Revolverheldenaugen.

Wenn man mit einer Waffe in der Hand und einer Maske über dem Gesicht in einen Getränkeladen marschiert, reißt man den Deckel von der Welt. Die Zeit vollführt echten Einstein-Quatsch. Sie dehnt sich; schrumpft zusammen.“

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