Interview · Kurzgeschichten · Neuerscheinung

Im Interview: T.C. Boyle

Good Home“ (Hanser) heißt der neue Erzählband von T.C. Boyle. Darin beweist der Amerikaner mal wieder, dass er zu Recht als Meister der Kurzgeschichte gilt. Ich hatte die Ehre, im vergangenen November eine Lesung mit Boyle zu moderieren (Foto) und ihn zu interviewen. Das Besondere an einem Gespräch mit dem 68-jährigen: Er sprüht vor Witz, Charme und Intelligenz, dass man kaum hinterherkommt. Für SPIEGEL ONLINE habe ich ihn vor ein paar Tagen noch einmal interviewt – hier das komplette Gespräch. Und hier ein kleiner Auszug:

Schreiben Sie Kurzgeschichten, um zwischen Ihren großen Romanen in Übung zu bleiben? Das ist sehr viel mehr als ein Training. Short stories sind für mich eine völlig eigenständige Kunstform. Diese klare, im Umfang begrenzte Vorgabe fasziniert mich und ich stürze mich in jede Erzählung mit genauso viel Energie wie in meine Romane. Auf Kurzgeschichten habe ich schließlich auch meine Karriere aufgebaut: 1979 erschien mein erstes Buch „Tod durch Ertrinken“, das aus 17 short stories bestand.

Seitdem haben Sie 27 weitere Bücher veröffentlicht, sind mit Literaturpreisen überhäuft worden und begeistern weltweit Zuschauer bei Ihren Liveshows. Sie sind unglaublich produktiv. Das liegt vielleicht daran, dass ich irgendwann einmal erkannt habe, dass die meisten Künstler vor ihrem Tod produktiver sind als danach. Also gebe ich Gas, arbeite hart und schaue nach vorn. Es gibt immer etwas, worüber ich schreiben will. Mein nächster Roman dreht sich um den Schweizer Wissenschaftler Albert Hofmann, der 1943 die halluzinogene Wirkung von LSD entdeckt hat.

Ihre Kurzgeschichte „Good Home“ hat – wie viele Ihrer Erzählungen – einen Schluss, der alles offen lässt. Warum verwenden Sie diese Form so gerne? Anspruchsvolle Literatur behandelt ihre Leser als gleichwertige Partner. Ich will, dass meine Leser in die Geschichte gezogen werden und sie weiterdenken, auch nach dem Ende. Diesen Prozess würde ich mit einem klassischen Schluss zunichtemachen. In „Good Home“ kann es zu einer Katastrophe kommen. Oder eben auch nicht. Das überlasse ich der Fantasie meiner Leser. So wird das Lesen zu einem doppelten Abenteuer.

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