Neuerscheinung · Rezension · Romane

Unheimlich. Mysteriös. Genial.

murakami, commendatore, rezension, günter keil Sein Körper löste sich in Luft auf. Lautlos wie Rauch.“

Unheimlich. Mysteriös. Genial.

Nach vier Jahren gibt es endlich wieder einen neuen Roman von Haruki Murakami – „Die Ermordung des Commendatore 1“ (DuMont). Die lange Pause hat sich äußerst positiv ausgewirkt: Murakamis 480 Seiten langer erster Teil seines neuen Werkes wagt sich weit über die üblichen Grenzen der Literatur hinaus, ähnlich wie in seinem Frühwerk. In bedächtiger, klarer Prosa erzählt der Japaner von einem 36-jährigen Maler, der sich nach der Trennung von seiner Frau in ein abgelegenes Haus in den Bergen zurückzieht. Dort geschehen seltsame Dinge. Nachts ertönt ein geheimnisvolles Läuten, im Garten wird eine unterirdische Steinkammer entdeckt, und auf dem Dachboden liegt ein meisterhaftes Gemälde mit dem Titel „Die Ermordung des Commendatore“. Eine Figur aus diesem Bild manifestiert sich als lebendige Idee. Damit nicht genug: Ein geheimnisvoller Nachbar des Malers, der in einer Villa auf der anderen Seite des Tals lebt, möchte von ihm porträtiert werden. Doch es scheint, als könne man sein Wesen nicht auf eine Leinwand bringen.

Wie üblich kontrastiert Murakami seine mystischen Andeutungen und die übernatürlichen Erlebnisse seiner Hauptfigur mit höchst realistischen Beschreibungen von Automarken, Kleidungsstücken, Accessoires und Musik. Gekonnt stachelt er die Neugier seiner Leser an und lässt den Maler stellvertretend für sie rätseln: Ist das alles nur ein Traum, eine Projektion? Kann man etwas nicht Vorhandenes malen? Mit einer ähnlich herausragenden Beobachtungsgabe und dem untrüglichen Instinkt des fiktiven Malers, schildert Murakami, wohin kühne Veränderungen im Leben führen können und was die Einsamkeit in einem Lächeln ausmacht. Ein außergewöhnlicher Roman, in dem es selbstverständlich auch um Sex geht. Wie immer bei Murakami. Ärgerlich nur, dass der zweite Teil erst im April veröffentlicht wird. Das Warten wird kaum auszuhalten sein.

Ich habe schon viele Merkwürdigkeiten gesehen und gehört, aber so etwas erlebe ich zum ersten Mal.“

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