Neuerscheinung · Rezension · Romane

Der Briefträger aus Montreal

Denis Theriault, Die Verlobte des Briefträgers, Rezension, Günter Keil, BlogEinen zeitlosen Roman – gibt es so etwas überhaupt? Schließlich bleibt kaum ein Autor von literarischen Trends unbeeinflusst. Der Kanadier Denis Thériault wagt dennoch den Versuch: Seinen neuen Roman „Die Verlobte des Briefträgers“ (dtv) baut er aus einfachen, liebenswerten Worten. Auch der Handlung entzieht er nahezu alle modischen, zeitgemäßen Aspekte. Heraus kommt eine wunderbare, tatsächlich zeitlos wirkende Geschichte um einen Briefträger und eine Kellnerin. Beide stammen aus Montreal und finden über ziemlich verschlungene Wege zueinander. Die Kunst der Kalligrafie, die Sinnlichkeit von Haikus und die Magie der Literatur spielen bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Denis Thériault inszeniert seinen Roman im ersten Teil wie ein Kammerspiel – die wichtigsten Szenen spielen in einem kleinen Restaurant. Dort treffen Bilodo, der Briefträger, und Tanja, die Kellnerin, täglich aufeinander. Doch erst im zweiten Teil des Buches bekommt ihre Liebe eine Chance. Als Bilodo nach einem Unfall ohne Erinnerungsvermögen aus dem Koma erwacht und Tanja behauptet, seine Verlobte zu sein. Dass es Denis Thériault seinen Figuren anschließend doch nicht so leicht macht, ist klar. Gekonnt spielt er mit deren Hoffnungen und Erinnerungen, lässt sie zum klärenden Finale nach Guadeloupe fliegen. Kann, darf oder muss man dem Schicksal nachhelfen? Und ist in der Liebe alles erlaubt? Das sind die zeitlosen Fragen, die hinter der zarten Geschichte durchschimmern.

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