Neuerscheinung · Rezension · Romane

Olga!

bernhard schlink, olga, rezension, blog, günter keilDas, was Bernhard Schlink mit seinem neuen Roman gelingt, ist die große Kunst eines großen Schriftstellers: Auf gerade einmal 320 Seiten und in leicht verständlicher Sprache skizziert er wichtige historische Entwicklungen, für die andere meist mehr als doppelt so viel Platz benötigen. Schlinks Handlung beginnt im späten 19. Jahrhundert und endet im frühen 21. Jahrhundert – erzählt wird die Lebensgeschichte einer Frau.

„Olga“ (Diogenes), die in einem Dorf in Pommern als Waise aufwächst, und Herbert, der Sohn eines Gutsherrn, verlieben sich. Sie werden ein Paar. „Zwei, die anders waren. Sich fanden. Sich verloren.“ schreibt Schlink. Olga wird Lehrerin, und Herbert reist als Abenteurer durch die Welt. Seine Arktis-Expedition scheitert, und alle Versuche ihn zu retten, scheitern. Fortan muss Olga ohne ihren Liebsten auskommen. Die bescheidene und kritische Frau bleibt weiterhin mit Herbert verbunden – über zahlreiche liebevolle Briefe, die sie ihm bis zu ihrem eigenen Tod schreibt.

Bernhard Schlink porträtiert Olga als Symbol für Neugier, Toleranz und Hoffnung. Er zeigt eine Frau, die gegen den Größenwahn ihres Landes aufbegehrt. Die weiß, dass die Möglichkeit zu lernen ein Privileg ist, und die erfährt, dass das Leben eine Kette von Verlusten darstellt. Ihre Lebensfreude und Hilfsbereitschaft lässt sich „Fräulein Rinke“, wie sie oft genannt wird, trotzdem nicht nehmen. Hätte es mehr Olgas gegeben, so wird zwischen den Zeilen deutlich, wäre Deutschlands Geschichte um einiges friedlicher verlaufen.

Eindrucksvoll beweist Bernhrad Schlink erneut, dass er ein echter Erzähler ist und kein Fabulierer. So entsteht eine Mischung aus Geschichtsstunde und Lebenskunde, diemich zutiefst bewegt hat.

2 Kommentare zu „Olga!

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