Neuerscheinung · Rezension · Romane

Die zufällige Biografie einer Liebe

Miguel Saldanda Paris war wirklich melancholisch: ein Mann aus einer anderen Zeit, in der er gefangen war, ein Mann aus der Zeit, in der das Glück noch keine Pflicht war, sondern das Schicksal von ein paar Narren.“

Der Portugiese João Tordo, Spezialist für melancholisch-philosophische Bücher, gelingt in seinem aktuellen Roman ein Kunststück: „Die zufällige Biographie einer Liebe“ (Droemer) ist die Geschichte einer Männerfreundschaft, die Chronik einer Vater-Tochter-Beziehung und die Aufarbeitung einer vergangenen Liebe. Diese drei Aspekte beleuchtet Tordo mit psychologischer Tiefe, ohne sich zu verzetteln. Ohne seinen Roman zu überladen. Ohne sprachlich abzudriften. In klarer Prosa erzählt der 42-jährige von einem spanischen Literaturdozenten und einem mexikanischen Dichter. Die beiden freunden sich an, und, viel wichtiger noch: der Spanier hilft dem Mexikaner, das höchst dramatische Ende seiner Beziehung zu Teresa zu verstehen und zu verarbeiten. Dazu ist allerdings eine Reise von London über Kanada bis nach Lissabon nötig. Und die Bereitschaft, sich der schmerzhaften Vergangenheit zu stellen.

Mit diesem feinfühligen, überraschend konstruierten Roman beweist João Tordo erneut, dass er zurecht als eine der wichtigsten Stimmen der portugiesischen Gegenwartsliteratur gilt.

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