Neuerscheinung · Rezension · Romane

Was für ein köstliches, brutales Vergnügen!

tyll, kehlmann, rezension, literaturblog, günter keilWas für ein Buch! Mit „Tyll“ (Rowohlt) beschert Daniel Kehlmann seinen Lesern ein köstliches, hochwertiges Vergnügen. Einen historischen Roman von höchster Qualität und höchstem Unterhaltungswert. Kehlmann ist ganz nah dran an seiner Hauptfigur Tyll Ulenspiegel, so nah, dass man diesen begnadeten, unheimlichen Gaukler riechen und spüren kann. Kehlmann porträtiert Tyll mit Sätzen, die ebenso kunstvoll wirken wie die Aufführungen seines Protagonisten. Es ist eine gleichermaßen beschwingte und düstere Reise ins 17. Jahrhundert, auf die Kehlmann sein Publikum mitnimmt.

Tyll muss fliehen- Er fährt mit der Bäckerstochter Nele durch das vom Dreißigjährigen Krieg zerstörte Land. Er provoziert und verspottet die Menschen – und unterhält sie dabei erstklassig. Er schläft auf Bäumen und schlägt sich irgendwie durchs harte Leben. Viel später bleibt ihm nur noch die Henkersmahlzeit vor seiner Hinrichtung, und auch diesen Moment fängt Kehlmann in all seiner Dramatik und Skurrilität meisterhaft ein. Schade nur, dass Tyll im zweiten Teil des Romans nur noch gelegentlich auftaucht und sein Alltag hinter den geschilderten Nöten der Könige und Kurfürsten, deren Standesdünkeln und Missgeschicken verblasst. Das ist die einzige Schwäche von „Tyll“: dass Kehlmann abschweift und seinen charismatischen Entertainer vernachlässigt.

Mit feinsinnigem Humor und grandioser Erzählkunst richtet Daniel Kehlmann seinen Blick auf eine brutale, karge Zeit, in der Hunger, Durst und Tod allgegenwärtig sind. In der Wölfe herumstreichen, Aberglaube vorherrscht und ein Mann tänzelnd Licht ins Dunkel bringt: Tyll.

3 Kommentare zu „Was für ein köstliches, brutales Vergnügen!

  1. Das Buch hab ich mir auch schon vorgemerkt 🙂 Daniel Kehlmann ist mir das erste Mal sehr positiv aufgefallen bei „Du hättest gehen sollen“ – nun brauche ich wohl auch Tyll.

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