Neuerscheinung · Rezension · Romane

Zwei Männer aus den Bergen

paolo cognetti, acht berge, rezension, günter keil, literaturblogIch habe geweint beim Lesen. „Acht Berge“ (DVA) berührt und bewegt. Und das ist ein kleines Wunder. Denn: Dieser Roman hat so gar nichts von typischen Bergromanzen oder Naturdramen. Paolo Cognetti drückt nicht auf die Tränendrüse, und er vermittelt kein verklärtes Naturbild.

In klaren, ruhigen Worten erzählt der italienische Autor von einer 30 Jahre anhaltenden Männerfreundschaft. Von Pietro und Bruno, die in einem abgelegenen Dorf in den Dolomiten aufwachsen. Von ihrer Begeisterung für Wildbäche, Talschluchten, Wälder und Gipfel. Für Falken und Murmeltiere. Für alte Ställe, Heuschober und Kornspeicher, die sie erkunden. Pietro zieht es später in die Stadt, irgendwann auch nach Nepal, wo er Dokumentarfilme dreht. Bruno hingegen bleibt im Dorf – Bergbauer ist seine Berufung. Cognettis wunderbares Buch erzählt auch eine Vater-Sohn-Geschichte, in der das Bergsteigen eine wichtige Rolle spielt: „Die einzig richtige Erziehung, die mir von meinem Vater jemals zuteilwurde“, sagt Pietro über die gemeinsamen Touren. Später erbt er von seinem Vater ein Berggrundstück mit einer Ruine, und er beschließt, mit Bruno die Hütte wieder aufzubauen:

Ich saß auf einer einer Mauer mitten im Schnee, vor einem zugefrorenen See in in zweitausend Meter Höhe. Und ich spürte, dass es einfach so sein musste. Aus unerfindlichen Gründen hatte mich mein Vater hier haben wollen, auf dieser lawinengeplagten Hochebene am Fuß dieses seltsamen Felsen, damit ich mit diesem Mann eine Ruine restaurierte.“

Worauf kommt es im Leben wirklich an? Darauf, den höchsten Berg von allen zu besteigen, also ein großes Ziel in weiter Ferne zu erreichen? Oder eher darum, viele kleine Berge nahe der Heimat zu erklimmen? Indirekt dreht sich dieser Roman um große Fragen. Aber ganz direkt bleibt er im Dorf, am Berg, bei Pietro und Bruno. Eine kostbare Geschichte.

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