Ein Tscheche im All

jaroslav kalfar, eine kurze geschichte der böhmischen raumfahrt, rezension, literaturblog, günter keilTschechien, eine Raumfahrtnation? Kann nur ein Witz sein. Oder eine Satire. Und genau so ist es: „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ (Tropen), das Debüt des 29-jährigen Jaroslav Kalfař, spielt mit dem Größenwahn der kleinen Nation. Um einmal den Weltmächten voraus zu sein, schickt die Tschechische Republik Jakub Procházka ins All. Der Astronaut soll eine kosmische Wolke untersuchen. Jakubs Landsleute feiern ihren Helden, Firmen sponsern die Mission, Politiker profitieren vom Rausch der Gefühle. Doch Jakubs Frau Lenka verlässt ihren Mann, und wenige Wochen später runiniert die Wolke das Raumschiff, Jakub muss allein ins All. Immerhin begleitet ihn ein spinnenartiges Wesen mit acht Beinen und 34 Augen – es hat den Auftrag, Jakub zu erforschen. Doch noch bevor aus dieser Begegnung Freundschaft werden kann, landet Jakub in einem russischen Raumschiff, das ihn zurück zur Erde bringt. Der gescheiterte Astronaut blickt zurück auf sein Leben, sein Land, seine Ehe. Kann er noch einmal von vorne beginnen?

Jaroslav Kalfař hat einen erstaunlichen Roman geschrieben. Einen, der sich nicht um Genregrenzen schert. Weltraum-Satire, Beziehungsstudie, Volksmärchen – alles ist drin in diesem Buch, das von einem lockeren Grundton und philosophischen Zwischentönen getragen wird. Zum Glück beschränkt sich Kalfař nicht auf die humoresken Aspekte der Mission; er sondiert das Lebensgefühl der Tschechen und fragt, was aus der Aufbruchstimmung der 1989-er-Revolution geworden ist. Außerirdisch originell!

 

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