Neuerscheinung · Rezension · Romane

Vietnam, Kanada. Und dazwischen: Flucht.

kim thuy, die vielen Namen der Liebe, Rezension, Günter Keil Der Duft von gehacktem und geröstetem Zitronengras hängt in der Luft, von sautierten und in Limettensoße getauchten Bambussprossen. Es sind die typischen Gerüche der vietnamesischen Küche, von denen Bao Vi, die Ich-Erzählerin in Kim Thúys Roman „Die vielen Namen der Liebe“ (Kunstmann) schwärmt. Doch diese Düfte entfalten sich fern der Heimat, in Québec. Bao Vi, ihre drei Brüder und ihre Mutter flüchteten 1975 aus Vietnam, der Vater blieb zurück. Die gebildete Familie zählt zur ersten großen Welle vietnamesischer Flüchtlinge, die in Kanada aufgenommen wurden.

In feinen, klaren Worten berichtet Kim Thúy von Flucht und Familie. Von Traditionen in der Ferne, vom Ankommen in einer fremden Kultur. Ihre Hauptfigur Bao Vi erzählt zurückhaltend von ihrem eigenen Weg und dem Abnabelungsprozess von ihrer Mutter. Ihren Verwandten gilt sie als „zu verwestlicht“, denn sie studiert Jura und widersetzt sich dem Druck der vietnamesischen Exilgemeinde, einen jungen Landsmann zu heiraten. Ein schmales, inhaltlich und optisch mit großer Sorgfalt erstelltes Buch. Ein bemerkenswerter kleiner Roman über große Themen.

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