Neuerscheinung · Rezension · Romane

Gefährliche Suche nach dem Blues

hari kunzru, white tears, rezension, literaturblog, günter keil Wow! Was für ein Roman! Originell, vielschichtig, mitreißend. In „White Tears“ (Liebeskind) erzählt Hari Kunzru von zwei jungen Musikproduzenten aus New York.

Seth und Carter sind besessen von alten Bluessongs. In ihrem Tonstudio tüfteln sie an neuen Sounds, die wie früher klingen. Kunzru führt seine Hauptfiguren als ungleiche beste Freunde ein: Da ist Seth, eher schüchtern, pleite, immer auf der Suche nach akustischen Phänomenen. Und da ist Carter, der charismatische Spross einer reichen Familie, steht auf Partys, Clubs und Koks.

Eines Tages beschließen die beiden, einen fiktiven alten Bluessong von 1928 zu basteln und einen Sänger namens Charlie Shaw zu erfinden. Sie stellen den Titel ins Netz – eine Sensation. Doch ein alter Plattensammler warnt Seth und Carter: Charlie Shaw gäbe es wirklich, er sei gefährlich. Und tatsächlich: Von nun an gerät alles außer Kontrolle. Carter wird fast zu Tode geprügelt. Während er im Koma liegt, fährt Seth in den Süden der USA, um dem Geheimnis des Songs näher zu kommen.

Hari Kunzru inszeniert seine Geschichte nun als hypnotischen Road Trip, als Spurensuche über die Ursprünge des Blues. Schließlich macht Seth schockierende Entdeckungen – über Carters Familie, die Aneignung des Blues durch die Weißen und sein eigenes Leben. Kunzrus furioser Roman klingt wie ein künstlerisch hochwertiges Album – mit einem unwiderstehlichen Rhythmus

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