Neuerscheinung · Rezension · Romane

Ruhelos und rücksichtslos

karine tuil, die zeit der ruhelosen, rezension, literaturblog, günter keilEr trug dunkle Anzüge von lässiger Eleganz und kaschierte so die Unerbittlichkeit, mit der er seine Ziele verfolgte, die da lauteten: die Konkurrenz ausschalten, Siege erringen, Kämpfe bestehen, sich immer höherhangeln.“

Osman Diboula hat es geschafft: der schwarze Streetworker aus der Pariser Banlieue zählt zum engsten Mitarbeiterkreis des französischen Präsidenten. Diese Macht berauscht ihn, und er passt sich immer mehr der Elite an, die ihn umgibt. Bis er abserviert wird – und sich mühsam wieder nach oben kämpft. Karine Tuil erzählt in ihrem fesselnden Roman „Die Ruhelosen“ (Ullstein) davon, wie Karrieren in Politik und Wirtschaft den Charakter verändern und Lebenswege beeinflussen.

Ohne deren Taten zu werten, schildert Tuil Aufstieg und Fall von Osman Diboula und zwei weiteren Männern: dem Manager François Vély und dem Soldaten Romain Roller. Vély, dem zehntreichsten Mann Frankreichs, einem rücksichtslosen Alphatier, scheint alles zu gelingen. Bis seine Ex-Frau Selbstmord begeht und ihm ein Mediencoup zum Verhängnis wird. Plötzlich bezichtigt man ihn des Rassismus und Sexismus – eine mediale Treibjagd beginnt. Und Roller? Der Afghanistan-Rückkehrer wird von Schuldgefühlen geplagt, weil Freunde von ihm bei einem Einsatz starben. Er denkt an Selbstmord.

Raffiniert führt Karine Tuil die Schicksale ihrer Hauptfiguren zusammen – über Diboula, Roller und Vély erzählt Tuil von den großen Konfliktthemen der westlichen Gesellschaft: der Gier der Mächtigen, dem Elend der Vorstädte, Rassismus und Radikalisierung. Ein schneller, schonungsloser Roman – eine literarische Form von „House of Cards“ auf Französisch.

 

2 Kommentare zu „Ruhelos und rücksichtslos

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