Neuerscheinung · Rezension · Romane

Die 77-jährige aus Jerusalem

mira magén, zu blaue augen, dtv, rezension, günter keil, literaturblogHannah Jonah ist 77 Jahre alt und Witwe. Mit ihren drei Töchtern, einer Enkelin und einer rumänischen Pflegekraft lebt sie in ihrem alten Haus in Jerusalem. Die Hauptfigur von Mira Magéns neuem Roman „Zu blaue Augen“ (dtv) scheint eine ganz normale Alte zu sein: gebrechlich und dement, pflegebedürftig und harmlos. Doch von wegen. Hannah Jonah ist die vielleicht aktivste und verrückteste Oma Israels. Magén porträtiert sie als lebenshungrige, gewitzte Frau, die Kleider, Wein, Männer, Käsekuchen und Schuhe schätzt. Manchmal treibt sie sich nachts in Bars herum. Ihr Motto: Hauptsache, in Bewegung bleiben.

Unser Leben lang ziehen wir immer wieder um und bewegen uns fort, um unser Glück zu suchen, und der Tod wird an dem Tag beginnen, an dem wir uns nicht mehr bewegen, an dem wir im Sessel versinken und nur noch aufstehen, um zu essen, zu pinkeln, und zu schlafen.“

Die Sehnsucht nach Leben und Liebe treibt Hannah Jonah um. Kaum etwas scheint sie in ihrem Aktivismus zu stören, weder ein Gehirntumor noch die Probleme ihrer Töchter oder der neue Mieter, der sie zum Verkauf ihres Hauses überreden will. Mira Magén hat um diese originelle Frauenfigur keine simple Komödie gestrickt, sondern eine charmante Geschichte über Lebensfreude und das Zusammenleben von Jung und Alt. Magéns empathischer Roman wirkt wie ein Plädoyer, das Leben leicht zu nehmen – trotz Schmerz, Trauer, Krankheit und Enttäuschung.

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