Alex am Rand

jens eisel, bevor es dunkel wird, rezension, literaturblog, günter keilAlex lernt früh, was es bedeutet, verlassen zu werden. Sein Vater haut ab, als er vier Jahre ist. Seine Mutter stirbt an Krebs, als Alex ein Teenager ist. Sein Bruder Dennis, ein Soldat, wird durch ein Kriegstrauma aus dem Leben gerissen. Der Hamburger Autor Jens Eisel gibt in seinem melancholischen Roman “Bevor es hell wird“ (Piper) Alex eine Stimme. Sie ist ruhig, klar und ehrlich. Und sie gibt Einblick in den Alltag von Supermarktkassiererinnen, Frührentnern, Alleinerziehenden und Arbeitslosen. Alex erzählt, wie er an der Elbe aufwächst, in einem Kino jobbt, mit seinem Freund in einer Autowerkstatt herumhängt und schließlich Mechaniker wird. Über ihm schwebt düster die Erfahrung von Verlust und Trauer – und über dem Buch eine offene Frage, die erst ganz zum Schluss beantwortet wird: Warum war Alex zwei Jahre im Knast?

Eisel hat ein beeindruckendes Gespür für Stimmungen und Szenen, für Ravioli aus der Dose, einen alten Wohnwagen am Strand, gegrillte Maiskolben beim Volksfestbesuch. Er dokumentiert in einfachen, klaren Worten das mühevolle Leben eines jungen Mannes am Rand. In seiner empathischen, aber nie anbiedernden Sprache ähnelt er US-Autor Willy Vlautin. Beide verbindet zudem, dass sie ihren verständnisvollen Blick auf Menschen aus der Arbeiterschicht richten.

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