Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Harter Hund, schlauer Typ

adrian mckinty, rain dogs, rezension, literaturblog, günter keilWahnsinn, Regen, Irland – passt alles zusammen.“

Adrian McKinty liebt klare Worte. Formuliert punktgenau. Langweilt nie. In „Rain Dogs“ (Suhrkamp Nova), dem fünften Roman aus seiner Reihe um den nordirischen Polizisten Sean Duffy, zeigt McKinty mal wieder, wie man das macht: einen intelligenten, packenden Thriller zu schreiben. Mit einer überzeugenden Hauptfigur und gesellschaftspolitischer Relevanz.

Carrickfergus bei Belfast, 1987. Der Bürgerkrieg ist für Sean Duffy nichts besonderes mehr: „Ein Tag voller Schilde, Formationen und Molotow-Cocktails. Bullenbeschimpfungen. Milchflaschen voller Urin oder Benzin, die durch die Luft segelten. Alles wie gehabt. So langweilig, dass es der Beschreibung nicht lohnt.“ Ja, dieser Duffy ist cool und abgebrüht, und er erzählt trocken. Doch er ist auch verletzlich und hat eine dunkle Seite – ein komplexer Charakter, harter Hund, weicher Kerl, schlauer Typ, alles. Diesmal beschützt Duffy Muhammad Ali bei seinem Belfast-Besuch und beißt sich die Zähne am Tod einer englischen Journalistin aus. Sie wurde im Hof von Carrickfergus Castle gefunden – Selbstmord?

Die Ermittlungen führen ihn nach London und Finnland, und auf eine Pint-Tour durch die fünfzehn Pubs von Carrickfergus. Im letzten Viertel des Buches übertrifft Adiran McKinty sich selbst, haut seinen Lesern sein Können um die Ohren, liefert unvorhersehbare Wendungen, virtuose Sprache, unerhörte Spannung. Kein Zweifel: der in Australien lebende Ire spielt in einer Liga mit Don Winslow, Jo Nesbö und Dennis Lehane. Unbedingt lesen!

Wodka, Limettensaft. Soda, Eis – vier einfache Zutaten, die zusammen die meisten Probleme der Welt verschwinden lassen.“

7 Kommentare zu „Harter Hund, schlauer Typ

  1. Mir gefällt die Reihe um den „katholischen Bullen“ in Nordirland sehr gut. McKinty in eine Liga mit Nesbö, Winslow und Lehane zu platzieren ist OK.

  2. Für mich ist McKinty eine der Entdeckungen der letzten Jahre, zumal er wirklich durchgängig sein hohes Niveau hält und sich (bis dato) da noch keinen Ausrutscher nach unten erlaubt hat. Möge es so bleiben.

    1. „noch keinen Ausrutscher nach unten“ – da unterscheidet er sich dann doch von Don Winslow.

      1. Genau an den hatte ich nämlich dabei auch gedacht. Winslows Versuch (zumindest erscheint es mir so) der breiten Masse zu gefallen, ging da leider gänzlich auf Kosten der Qualität. McKinty macht diesen Fehler (hoffentlich) nicht.

    2. Stimmt, das ist der große Unterschied! Andererseits gebe ich Winslow gerne immer wieder eine Chance – im Juni kommt ja sein „Corruption“, hoffentlich wieder in alter Form.

      1. Schauen wir mal. Ich werd es mir wohl auch kaufen, in der Hoffnung, dass er da an die Qualität der ersten Neal-Careys oder „Tage der Toten“ anknüpft. Habe nämlich ein bisschen die Befürchtung, dass er langsam zum Deaver des Hardboiled mutiert. Stark angefangen, noch stärker nachgelassen. 😉 Und es kommen einfach auch wirklich viele starke Autoren (u.a. halt McKinty) nach.

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