Red Bull und Aknesalbe

fatma aydemir, ellbogen, hanser, rezension, literaturblog, günter keil Krass, dieser Roman. Komplett in deutsch-türkischem Straßenslang erzählt, aus der Perspektive von Hazal, einer 18-jährigen Berlinerin.

„Ellbogen“ (Hanser) heißt die Story von Fatma Aydemir. Die 31-jährige Journalistin zieht ihre Leser von der ersten Seite an unmittelbar in das Leben ihrer Hauptfigur. In die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Wedding, in der Hazal mit Eltern und Bruder lebt. In die Kneipen und Clubs, die Hazal mit ihren Freundinnen besucht. Äh, Moment, Freundinnen? „Fotzen“ oder „Nutten“ nennt sie Elma und Gül. Natürlich nur im Spaß. Und weil man halt so spricht, von „Titten“, „Ärschen“ und „Kanaken“. Und weil man meint: „Leute, die Abi machen, labern alle nur Scheiße und haben fettige Haare.“

Ja, es ist ein schriller, lauter, derber, frischer Ton, der diesen Roman bestimmt. Fatma Aydemir schreibt über Redbull und Aknesalbe, Sex und Gras, Mascara und Lippenstift. Über Spaß, Gewalt, Unsicherheit und Verzweiflung. Über eine junge Frau, die durch ihr Leben rennt, durch Berlin, später durch Istanbul, immer auf der Suche nach sich und ihrem Platz in dieser seltsamen Welt zwischen Deutschland und der Türkei. Der erste Teil: rotzig und derb. Der zweite: nachdenklich und zweifelnd. Dazwischen liegt ein Verbrechen, das Hazal und ihre Freundinnen begehen.

Endlich mal keine weitere verständnisvolle Wohlfühl-Migranten-Geschichte mit verkleistertem Happy-End. Sondern ein authentischer Einblick in Hazals Welt. Stark!

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