T.C. Boyles Terranauten

t.c. boyle, die terranauten, rezension, hanser, günter keil, literaturblogNanu? Wo ist nur T.C. Boyles geschliffene Ironie geblieben, sein gehobener Zynismus? In seinem neuen, heute veröffentlichten Werk „Die Terranauten“ (Hanser) sucht man seine bevorzugten sprachlichen Stilmittel nahezu vergeblich. Das hat natürlich einen Grund, nein, besser: drei Gründe: Boyle erzählt seine Geschichte aus den Perspektiven von drei Wissenschaftlern. Sie gehören zur Crew der „E2“, eines größenwahnsinnigen Experiments in der Wüste Arizonas. Zwei Jahre lang leben acht Experten in einem geschlossenen Ökosystem unter einer Glaskuppel. Freiwillig. Unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Wie in der Realität – „Biosphäre“ hieß Anfang der 1990-er tatsächlich ein ähnliches Projekt, auf das sich Boyle bezieht. 

Das war wirklich eine neue Welt. Und jetzt war ich drinnen, und es gab keinen Weg zurück.“ schreibt die Nutztierwärterin Dawn Chapman, eine der Auserwählten. Sie hofft auf neuartige wissenschaftliche Erkenntnisse und eine spannende Zeit. Doch das ambitionierte Projekt mündet in Missgunst, Intrigen, Streit und Chaos. T.C. Boyle konzentriert sich allein auf seine drei Protagonisten, lässt sie selbst von ihrem Alltag in „E2“ erzählen. Das macht sein Drama zwar authentisch und eindringlich – die Ironie und den Zynismus des großen Meisters habe ich dennoch vermisst. Beim nächsten Mal bitte wieder mehr davon, Mr. Boyle!

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