Neuerscheinung · Rezension · Romane

Road-Trip mit zwei Senioren

bodo kirchhoff, widerfahrnis, literaturblog, günter keil, rezensionAltherrenliteratur? Klüngelei? Nach der Vergabe des Deutschen Buchpreises 2016 an Bodo Kirchhoff für „Widerfahrnis“ (Frankfurter Verlagsanstalt) entwickelte sich Mitte Oktober eine Kontroverse. Jetzt ist es etwas ruhiger geworden – eine gute Zeit, um sich das Buch noch einmal vorzunehmen. Auch, weil es zu Weihnachten sicher tausendfach geschenkt wird.

Na los, sagte sie, rein mit Ihnen, und Sie könnten uns etwas aus dem Buch vorlesen, das Sie eingesteckt haben, dann fahre ich, bis die Sonne aufgeht, wo wird das ungefähr sein?“

Leonie Palm und Julius Reither, sich bisher fremde Nachbarn, starten nachts spontan zu einer Reise in den Süden. Mit Palms altem Cabrio. Und Reithers alter Lederjacke. Sie rauchen (viel!), reden, gestehen sich ihre Niederlagen. Beide haben Pleite gemacht – er als Verleger, sie als Hutladeninhaberin. Und da sie in ihren Sechzigern sind, haben sie natürlich auch schon mal in der Liebe versagt. Mit feinem Gespür für Gesten und Stimmungen erzählt Kirchhoff, wie sich Leonie & Julius annähern, sich vortasten, zögern, abwarten, sich öffnen. Und weiter rauchen, weiter fahren. Vom Alpenrand über den Brenner, durch Italien, nach Sizilien. Es ist eine unspektakuläre altmodische Autofahrt, und doch: eine bewegende, zärtliche, wunderbare Reise der beiden zu sich selbst, und vielleicht zu einem Neuanfang. Nicht der beste Roman des Jahres, nein, aber eine wohlklingende, feine Geschichte. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk.

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