Das verborgene Leben meiner Mutter

adriaan van dis, das verborgene leben meiner mutter, droemer, rezension, literaturblog, günter keilYou must sacrifice family on the altar of fiction.”

Dieses Zitat von David Vann stellt Adriaan van Dis seinem aktuellen Roman Das verborgene Leben meiner Mutter“ (Droemer) voran. Und tatsächlich: der vielfach preisgekrönte niederländische Schriftsteller opfert seine Familie auf dem Altar der Fiktion. Genauer gesagt: er opfert seine Mutter. Van Dis schildert auf knapp 300 Seiten seine Versuche, die Wahrheit über ihre Vergangenheit zu ergründen. Er tut dies unverfälscht, radikal und ehrlich. Die Besuche bei seiner Mutter, seine Fragen, ihre Antworten, seine Zweifel, ihre Lügen, sein Wunsch nach Ehrlichkeit, ihr Versuch der Vertuschung – Adriaan van Dis protokolliert ein sehr persönliches Duell, einen Kampf um Erinnerungen. „Warum hast du geschwiegen?“ fragt er seine Mutter. „Warum hast du nicht nachgefragt?“ kontert sie. Mutter und Sohn fahren zum früheren Haus des Großvaters auf einem Polder, und van Dis wird klar, dass er über das Landleben seiner Familie kaum etwas weiß. Auch über die Flucht seiner Eltern nach Niederländisch-Indien, heute Indonesien, wurden ihm offenbar bewusst Details verheimlicht. Wie ein Archäologe gräbt er immer tiefer, hebt verborgene Schichten der Familiengeschichte. Ein starker, aufregender Roman mit grandiosen Dialogen, in dem Adriaan van Dis weder sich selbst noch seine Mutter schont.

4 Kommentare
  1. cool.
    oft denke ich, die „schriftstellerei“ erfordert zuweilen eine menge mut.
    dieses buch scheint mir ein mutiges zu sein!

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