McEwan und der Brudermord

ian mc ewan, nussschale, rezension, literaturblog, günter keilVieles deutet darauf hin, dass Ian McEwan an „Nussschale“ (Diogenes) mehr Spaß hatte als an all seinen vorangegangenen Romanen. Schon der erste Satz, reinstes Vergnügen: „So, hier bin ich, kopfüber in einer Frau.“ Doch bald geht es um Leben und Tod.

McEwan erzählt seine subtile Geschichte aus der Perspektive eines Ungeborenen. Zwei Wochen sind es noch bis zu seiner Geburt, und doch ist dieser Fötus intelligenter als viele Erwachsene. Er reflektiert über das Weltgeschehen, und er bangt um seine Zukunft. Weil seine Mutter einen Mord begehen will. Trudy, so heißt die Londonerin, will ihren Gatten John umbringen. Mit seinem Bruder Claude hat sie eine Affäre, und gemeinsam wollen die Liebenden John aus dem Weg räumen. Ein Brudermord, der an „Hamlet“ erinnert.

Direkt aus dem Mutterbauch heraus entfaltet Ian McEwan ein virtuoses Kammerspiel. Ein mörderisches und auch köstliches Vergnügen, wie das Ungeborene einräumt: „Ich weiß, dass Alkohol meiner Intelligenz schadet. Er schadet jedermanns Intelligenz. Aber ach, ein wonniger, die Wangen rötender Pinot Noir, ein stachelbeeriger Sauvignon, lassen mich durchs inwendige Meer taumeln und purzeln, bis ich gegen die Wände meines Schlosses kugle, dieser Springburg, in der ich hause.“

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