Krimis & Thriller · Neuerscheinung · Rezension

Literarischer Artenschutz

max bronski, der pygmäe von obergiesing, literaturblog, günter keil Da steht er: breitbeinig und naiv, bauernschlau und liebevoll. Der Münchner Antiquitätenhändler Gossec. Typen wie er sind im wahren Leben vom Aussterben bedroht. Und genau deswegen handelt es sich bei Max Bronskis Hauptfigur in „Der Pygmäe von Obergiesing“ (Kunstmann) um literarischen Artenschutz. In seinem sechsten Gossec-Roman gibt Bronski alias Franz-Maria Sonner seinem Antihelden wieder jede Menge Raum – vor allem für philosophische Betrachtungen. „Beim bayerischen Menschen ist vielfach der innere Artikulationsdruck größer als das sprachliche Vermögen“ meint Gossec, und man spürt, dass sich diese These aus eigener Erfahrung speist. Selbstverständlich konstruiert Bronski auch wieder einen Kriminalfall, in den der Amateurdetektiv stolpert: Eines Morgens wird die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma tot in einem Park aufgefunden – eine Frau, die Gossec seit kurzem kennt. Die Polizei hält Gossecs Kumpel, den schwarzen Urbayer und Bierzelt-Entertainer Alois Womack, für den Mörder. Bei der Lösung des Falles legt Max Bronski Wert auf den augenzwinkernden, tiefen Blick in die bayerische Seele. Er pflegt die liebe- und kunstvolle Ironie, mit der seine Figuren die Gentrifizierung Münchens kritisieren.

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