Die Magie der Kindheit

matthias brandt, raumpatrouille, rezension, literaturblog, günter keil Ein Junge erzählt. Frei heraus, schelmisch und schlau. Er berichtet von dem Tag, an dem er die Gardinen im Haus seiner Eltern in Brand steckt. Von seinem geliebten Hund Gabor, den er als Kopfkissen benutzt, um am Himmel die Wolken zählen zu können. Von seiner ersten Stuyvesant, die er mit einem Schulkameraden raucht. Vom Norwegenurlaub mit seiner Mutter. Von der Astronautenausrüstung, die er statt der Schulbücher kauft.

In Matthias Brandts kurzen Kurzgeschichten „Raumpatrouille“ (Kiepenheuer & Witsch) werden die 70-er-Jahre zum Leben erweckt. Mit Tri Trop, Eichenholzeinbauschränken, Kondensmilch, Bonanza-Fahrrädern und Pantoffeln. Was daran liegt, dass der Ich-Erzähler sehr genau hinguckt und beschreibt. Der Zehnjährige ist natürlich der Autor selbst, aufgewachsen am Rande von Bonn, als Sohn von Willy Brandt. Sein berühmter Vater spielt in den liebevoll und leicht ironisch erzählten Geschichten jedoch nur eine Nebenrolle. Denn meist ist er nicht da, oder er arbeitet, immer eine Zigarette im Mund. Nur seine Bodyguards sind allgegenwärtig, und der Junge versucht sie gelegentlich abzuschütteln.

In seinem literarischen Debüt zaubert Brandt die Magie seiner alltäglichen und doch besonderen Kindheit zwischen zwei Buchdeckel. Er hat ein beeindruckendes Gespür für berührende und skurrile Szenen, für die Perspektive seines zehnjährigen Alter Egos. Ein stilsicheres Buch, mit dem Brandt augenzwinkernd beweist, dass er nicht nur ein großer Schauspieler, sondern auch ein sehr talentierter Autor ist.

In letzter Zeit hatten sich bei mir zwei Berufswünsche herausgebildet: Astronaut, und falls das nicht klappte, Briefträger.“

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