Neuerscheinung · Rezension · Romane

Herbe Seemanns-Poesie

ottessa moshfegh, mcglue, liebeskind, rezension, literaturblog, günter keil Genau genommen ist es ein Wunder, dass ich überhaupt lesen kann, so kaputt wie mein gespaltener Schädel ist und wie meine Gedanken immerzu um das kreisen, was ich mir nicht in den Rachen schütte.“

Salem, Massachusetts, 1851. Der Seemann McGlue sitzt hinter Gittern. Ihm wird vorgeworfen, vor Sansibar seinen besten Freund Johnson ermordet zu haben. Das Problem: er kann sich nicht erinnern, und er will es auch gar nicht. Eigentlich will er nur saufen. Und vergessen. In ihrem Debüt „McGlue“ (Liebeskind) versetzt sich die junge US-Autorin Ottessa Moshfegh erstaunlich authentisch in die Lage eines Trinkers. Sie lässt McGlue von seinen Abenteuern erzählen, in seinen Worten: „Buddel“, „Schwuchtel“, „Hurenhaus“, „Kittchen“, „Graubart“. Herbe Poesie. Doch trotz ungefilterter Seemannssprache gelingt es Ottessa Moshfegh, die kindliche, geschundene Seele ihre Hauptfigur durchschimmern zu lassen. Und den Blick auf McGlues „Kindheit in Schimpf und Schande“ zu richten. Ein dichter Monolog aus Erinnerungsfetzen, der durch die ganze Welt führt: Indischer Ozean, Feuerland, Südsee, New York, Lima. Puh.

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