Vegetarierin in Lebensgefahr

han kang, die vegetarierin, aufbau verlag, literaturblog, günter keil, rezensionVegetarier werden in Südkorea misstrauisch beäugt, man hält sie für verrückt oder subversiv. Das muss man wissen, wenn man „Die Vegetarierin“ (Aufbau) der vielfach ausgezeichneten Autorin Han Kang liest. In ihrem kurzen Roman beschließt eine ganz normale Frau von einem Tag auf den anderen, kein Fleisch mehr zu essen. Ein Skandal, findet ihr Mann. Eine Unverschämtheit, findet ihre Familie. Und so wird die arme Frau geächtet und geschlagen, ausgegrenzt und verachtet. Nur ihr Schwager, ein Künstler, verliebt sich in sie, bemalt ihren mageren Körper, dreht erotische Filme mit ihr, sieht sie als göttliches Wesen, „weder Mensch noch Tier, eher irgendetwas zwischen Pflanze und Urwild.“ Han Kang erzählt diese bizarre, erotische und ungewöhnliche Geschichte in drei Akten, aus drei Perspektiven. Ein faszinierendes Konzept und ein spannendes Thema, zweifellos. Wären da nicht die erschreckend schlichte Sprache, die oft schwülstig-pathetischen Formulierungen und klischeehaften Situationen. Der Roman liest sich phasenweise wie ein missglückter Versuch, Haruki Murakami zu imitieren. Warum Han Kang dafür mit dem renommierten Man Booker Preis belohnt wurde, bleibt ein Rätsel. Eines, das mindestens so groß ist wie die Frage, warum es Vegetarier in Korea so schwer haben.

2 Kommentare
  1. Der Roman ist ganz wunderbar, die Sprache könnte besser dafür gar nicht passen und Murakami braucht sie bei ihrer Erzählkunst überhaupt nicht zu imitieren …

    • Du bist ja nicht die einzige, die von dem Roman schwärmt, das finde ich auch völlig in Ordnung. Umso wichtiger war mir allerdings, ihn auch mal kritisch zu beleuchten…

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