Der verlockte Mann

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Sein Gehirn ist voll funktionsfähig, arbeitet jedoch im Leerlauf.“

Mauro Assante ist total von der Rolle. Zweifelt an seinem Verstand. Während Frau und Sohn Ferien machen, arbeitet der Wirtschaftsprüfer in Rom an einem Bericht über eine Bank, an der mächtige Politiker beteiligt sind. Eine brisante Aufgabe. Doch Assante kommt nicht voran, seltsame Dinge passieren: Eine wunderschöne Frau namens Carla steht plötzlich vor seiner Tür, sein Auto verschwindet, jemand dringt in seine Wohnung ein. Assante ist ein klassisches unschuldiges Opfer – Hauptfigur in Andrea Camilleris neuem kurzen Roman „Die Verlockung“ (Nagel & Kimche).

Während Assantes Kollegen und Camilleris Leser längst ahnen, dass es sich um eine perfide Intrige handelt, kapiert der Wirtschaftsprüfer gar nichts. Stolpert in Fallen, verliebt sich in Carla, verstrickt sich in Widersprüche, verliert seine Glaubwürdigkeit. Andrea Camilleri lässt seinem integeren Protagonisten wie eine Marionette aussehen, gelenkt von Unbekannten, die seinen Bericht verhindern wollen. Wie naiv, tollpatschig und doof kann ein gebildeter Mann eigentlich sein? Fragt man sich bei der Lektüre ständig. Und hofft darauf, dass Camilleri eine überraschende Wendung einfällt, eine doppelbödige Erklärung. Doch da kommt nichts. So genial Camilleri Spannung erzeugt und seine Leser mit in Assantes Abgrund zieht, so banal lässt er seine Geschichte enden. Ein mitreißender Roman, ja. Aber auch ein unbefriedigender.

Mehr über Andrea Camilleri in meinem Blog hier.

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