Neuerscheinung · Rezension · Romane

Vielschichtiges Einwandererdrama

ngMiddlewood, USA, 1977. Lydia, die Tochter von James und Marilyn Lee, ist ein strebsames intelligentes Mädchen. Ihr Vater, der als Sohn chinesischer Einwanderer früher als „Schlitzauge“ verspottet wurde, möchte, dass Lydia integriert und beliebt ist. Ihre Mutter, die ihre Karriere für die Familie aufgab, möchte, dass Lydia unabhängig und erfolgreich ist. Doch Lydias Schulleistungen lassen nach, und eines Tages verschwindet die 16-jährige spurlos. Später wird ihre Leiche in einem See gefunden. Unfall? Mord? Selbstmord?

Mit dem Tod des Mädchens beginnt Celeste Ng ihren klugen Roman „Was ich euch nicht erzählte“ (dtv). Sie nähert sich den Protagonisten mit Bedacht. Mit jeder Seite verstärkt sich eine traurige Gewissheit: nahezu alle Mitglieder dieser scheinbar perfekten Familie hatten Geheimnisse voreinander. Was ist nur schiefgelaufen bei den Lees? Die unerhörte Antwort kristallisiert sich aus den verschieden Perspektiven von Eltern und Geschwistern heraus: es waren die Träume von einem besseren Leben und der daraus entstandene Druck, die das Mädchen in den Tod getrieben haben: „Lydia schluckte die Träume ihrer Eltern und unterdrückte den Widerwillen, der in ihr brodelte.“ Und, noch entscheidender: es war das Verhängnis des Ungesagten. Lydia zog sich zurück statt zu reden, während ihre Eltern nur auf ihre Schulnoten achteten. Celeste Ng erzählt eine vielschichtige Familiengeschichte über die fatalen Folgen von verordneten Lebensentwürfen.

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