Interview · Krimis & Thriller

Im Interview: Ian Rankin

rankin Ian Rankins gilt als einer der wichtigsten britischen Autoren, seine Romane werden in 22 Sprachen übersetzt. Am populärsten ist Rankins Reihe um Detective Inspector John Rebus aus Edinburgh, dessen 20. Fall soeben erschienen ist: „Das Gesetz des Sterbens“ (Manhattan).

John Rebus versucht vergeblich, sich das Rauchen abzugewöhnen und trinkt auch als Rentner weiterhin Whiskey. Ist dieser Ermittlertyp nicht ein Klischee? In den 70er- und 80er-Jahren gab es tatsächlich solche Polizisten und Privatdetektive. Sie hatten eine Flasche Whiskey in ihrer Schreibtischschublade und rauchten Kette im Verhörraum. Ich habe einige dieser Typen kennengelernt. Heute sind die meisten von ihnen allerdings pensioniert, wie Rebus. Aber natürlich habe ich ihn von Anfang an bewusst als Atavismus für diese klassische Art des Privatdetektivs angelegt.

Halten Sie Ihre Hauptfigur grundsätzlich für realistisch? Mir war es immer wichtig, Rebus sehr realistisch darzustellen und auch Edinburgh authentisch zu beschreiben. Seine Lieblingskneipe, die Oxford Bar, und viele andere Orte meiner Romane gibt es tatsächlich. Manche von Rebus´ Fällen basieren auf wahren Verbrechen. Andererseits vermutete ich lange Zeit, dass es einem echten Polizisten nie gestattet sein würde, so sehr seinen eigenen Weg zu gehen wie Rebus das tut. Vor ein paar Jahren meinte jedoch der Polizeichef von Edinburgh ganz öffentlich, dass er gerne einen Mann wie Rebus in seinen Reihen hätte – seitdem halte ich ihn für sehr realistisch.

Was unterscheidet Rebus von anderen Ermittlern? Er vertraut auf freies, radikales Denken. Er ist ein unangepasster Außenseiter, der unbedingt ein Ergebnis und Gerechtigkeit will. Mit seinen unkonventionellen Methoden strebt er nicht nach Geld oder Ruhm, sondern einzig und allein danach, die Wahrheit herauszufinden.

In Ihrem neuen Roman behauptet Rebus störrisch, dass nun einmal jeder ein Laster habe. Welches haben Sie? Geraucht habe ich nie, aber ich trinke zu viel. Außerdem esse ich zu viel Schokolade und andere Süßigkeiten, Crisps und Snacks.

Für Ihre Hauptfigur sind langjährige Kontakte zur Unterwelt eine wichtige Informationsquelle. Haben Sie für Ihre Recherche ein ähnliches Netzwerk? Ich habe zwar schon Verbrecher in Gefängnissen interviewt, aber in meinem Bekanntenkreis gibt es höchstens ein paar Kleinkriminelle, die ich von zufälligen Unterhaltungen in Pubs und Bars kenne. Zu einigen Polizisten, Anwälten und Mitarbeitern von Leichenschauhäusern pflege ich allerdings gute Kontakte.

Werden Ihre Romane eigentlich auch in Gefängnissen gelesen? Wie mir Gefängnisbibliothekare immer wieder berichten, werden sie dort tatsächlich häufig ausgeliehen und sind sehr beliebt. Ich bekomme auch regelmäßig positives Feedback von Häftlingen. Gelegentlich bitten mich Inhaftierte sogar um Hilfe, da sie unschuldig seien. Sie erhoffen sich, dass ich ihren Fall noch einmal aufrolle. Mir haben auch schon Angehörige von Verbrechensopfern geschrieben und mich gebeten, eigene Ermittlungen anzustellen, da sie der Polizei nicht trauen.

Wie reagieren Sie auf solche Anfragen? Es bricht mir das Herz, wenn ich mitbekomme, dass jemand in einem Autor von Kriminalromanen seine letzte Chance sieht. Und es macht mich traurig, diese Verzweiflung zu sehen. Aber ich stelle ganz klar, dass dies nicht meine Aufgabe ist. Wir Autoren sind Experten für das Erfinden von Verbrechen und deren fiktive Aufklärung. Für die Realität sind wir nicht zuständig. Aber natürlich zeigen mir diese Reaktionen, dass man mir einiges zutraut und ich meinen Job ganz ordentlich zu machen scheine.

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