Neuerscheinung · Rezension · Romane

Ein Mann verschwindet. Einfach so.

stammPeter Stamm ist ein Meister der klaren, scheinbar von allen Unreinheiten befreiten Sätze. Leicht liegen sie auf den Buchseiten, oder schweben sie gar? Auch in „Weit über das Land“ (S. Fischer) vertraut Stamm seinem feinen, reduzierten Stil.

Ohne zu werten oder einen Grund anzugeben, beschreibt Stamm, wie ein Mann seine Familie verlässt. Zu Fuß weggeht. Fort wandert. Über Feldwege und Wiesen, durch Wälder, Dörfer, Täler. Thomas heißt dieser Mann, und er entfernt sich Schritt für Schritt von seinem bisherigen Leben. Er streift durch die Natur, nimmt den Nebel über dem Fluss wahr, den Mehltau auf den Blättern. „Er fühlte sich gegenwärtig wie sonst nie, es war ihm, als habe er keine Vergangenheit und keine Zukunft. Es gab nur diesen Tag, diesen Weg.“

Stamm beobachtet auch Thomas´ Frau Astrid. Wie sie nach Erklärungen und Ausreden sucht, die Polizei einschaltet, ihre beiden Kinder besänftigt. Astrid spürt, dass ihr Mann nicht mehr wiederkommen wird. „Das Gefühl nahm ihr den Atem, sie machte sich keine Sorgen, sie empfand eine lähmende Angst, als wüsste sie schon, was geschehen würde.“

Wie in einer stillen Dokumentation folgt Peter Stamm seinen Protagonisten. In seiner Chronik eines Verschwindens verstärken die gedämpfte Stimmung und der leise Ton das Drama der Eheleute.

4 Kommentare zu „Ein Mann verschwindet. Einfach so.

  1. Ein interessanter Autor… und auch dies Buch scheint voller extremer Gefühle zu sein… Warum aber heißt der Mann ausgerechnet Thomas Mann?

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