Neuerscheinung · Rezension · Romane

Vogelkunde und Seitensprünge


zinkNein, für diesen Roman gibt’s keine Schublade. Er passt in kein Muster, kein Genre. Und genau das macht Nell Zinks „Der Mauerläufer“ (Rowohlt) zu einem Erlebnis. Eigentlich als Geschichte der Ehe zwischen Tiffany und Stephen angelegt, entwickelt sich das Buch zu viel mehr: Seiten- sprung-Prosa, Vogelbeobachtungskunde, Selbstfindungs- anleitung, Paarreflexion.

Tiffany, die Erzählerin, berichtet ungeschminkt und unkonventionell von ihrer Ehe. Von Langeweile, Affären, Drogen, Kinderwünschen, Ornithologen, Pfarrern, Öko-Aktivisten und einem Mann namens Elvis. Vom Mauerläufer, ihrem Haustier. Vom Berner Oberland, Berlin, der ostdeutschen Provinz und Albanien – überall dort wohnen Tiffany und Stephen eine zeitlang.

Der Mauerläufer“ lebt davon, dass er nicht vorrangig lustig oder komisch sein will. Sondern authentisch. Tiffanys lakonische, herbe Stimme steht für einen ganz eigenen Klang. Für Originalität, eine Prise Absurdität und eine intelligente, impulsive Sprache. Für das selbstbestimmte, gelegentlich seltsame Leben einer modernen Frau. Was für ein waches, schräges Buch – Gratulation, Nell Zink!

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