„Wir Portugiesen sind melancholisch“ – João Tordo

joaojo2In Portugal ist João Tordo ein Star. Für seine sechs Romane wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem wichtigsten portugiesischen Literaturpreis Prémio Literário José Saramago. Vor kurzem ist „Stockmans Melodie“ (Droemer) erschienen, Tordos erster ins Deutsche übersetzte Roman. Eine melancholische, intensive Doppelgängergeschichte um den Kotrabassisten Hugo, der nach erfolglosen Jahren in Montreal in seine Heimat Lissabon zurückkehrt. Hier will er endlich seine erste Komposition vollenden. Doch bei einem Konzert des Pianisten Luís Stockman ist Hugo geschockt – Stockman spielt seine eigene Melodie! Und er sieht ihm erstaunlich ähnlich. Sind die beiden etwa Zwillingsbrüder? João Tordo porträtiert einen verzweifelten Mann auf der Suche nach seiner Identität.

Ich habe Tordo nach der nachdenklichen Stimmung in seinem Roman gefragt. Ist diese für ihn typisch portugiesisch? „Da ist etwas dran. Wir Portugiesen haben durchaus eine etwas melancholische, hinterfragende Seite. Ich würde aber eher von einer Art Trauer in uns sprechen. Das empfinde ich überhaupt nicht als negativ – ich kann diese Stimmung sogar sehr gut für meine Geschichten nutzen.“ Inwiefern? „Meine Protagonisten suchen nach emotionalen Narben, sie wollen wissen, wann und wie ihr Leiden begann. In ihnen brodelt es, und das beschäftigt sie. Ich finde: Literatur kann dazu beitragen, dass man zurückblickt und seine eigenen Wunden erkennt. Das ist oft der Punkt, an dem die Heilung beginnt.“

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