Neuerscheinung · Rezension · Romane

Der frustrierte Nationalist

rudisNein, ich bin kein Nazi“ behauptet Vandam. Der ehemalige tschechische Polizist war an der Revolution von 1989 beteiligt und rutschte danach ins soziale Abseits. Er säuft, prügelt sich gerne und lebt in einer Plattenbausiedlung am Rande von Prag. Vandam ist die Hauptfigur in Jaroslav Rudiš´ Roman „Nationalstraße“ (Luchterhand). Er schimpft auf Politiker, Europa, Fremde und „die Weiber“. Er ist ein Verlierer mit großer Klappe. Ein frustrierter Nationalist. Und vor allem: ein Spiegelbild jener Menschen, die sich zurzeit in Europa im rechten Aufwind fühlen, populistische Parteien wählen und gegen Flüchtlinge hetzen. 

Jaroslav Rudiš bedient mit seinem tragischen Helden kein eindimensionales Feindbild. Vielmehr versetzt er sich in Vandams Lage und erzählt strikt aus seiner Perspektive. „Du musst stark sein. Trainieren. Du musst kämpfen“ trichtert Vandam seinem Sohn immer wieder ein. Denn das Leben und die Liebe seien wie Krieg, und die Politik ein mieses Spiel, von dem nur Bonzen profitierten. Im Nachwort notiert Jaroslav Rudiš, dass er ein Buch über Vorurteile, Unsicherheit, Hass und Aggression schreiben wollte. Darüber, „wie wir die Welt von unseren Kneipen aus beobachten und hoffen, alle Kriege und Krisen mögen an uns vorbeiziehen.“ Das ist Rudiš eindrucksvoll gelungen.

Meine umfassende Rezension erscheint im Magazin PUBLIK.

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