Neuerscheinung · Rezension · Romane

Männer mit Erfahrung

freeEin abgelegener Ort in Vermont. Beim Sherrif taucht eine junge Frau auf. Lilian heißt sie, und sie braucht dringend Hilfe. „Männer mit Erfahrung“ von Castle Freeman (Nagel & Kimche).

Was kann ich für Sie tun?“, fragte er. „Ich brauche Hilfe“, sagte die junge Frau. „Bei was?“ „Er ist hinter mir her“, sagte sie. „Ein Mann. Er will mir was tun.“ „Ein Mann?“ „Ja. Er beobachtet mich. Er verfolgt mich. Er lässt mich nicht in Ruhe.“ „Blackway“, sagte der Sheriff. „Sie wissen Bescheid?“ Ich kenne Blackway, sagte der Sheriff. Die meisten hier kennen ihn. Kaffee? Er stand auf und ging zur Kaffeemaschine.

Wortkarg ist nicht nur der Sheriff. Sondern auch Castle Freeman. Sein Stil ist nicht nur knapp, sondern lakonisch. Im Verlauf der Handlung wird Lilian klar, dass sie vom Sheriff keine Unterstützung zu erwarten hat. Doch sie gibt nicht auf. Unter den alten, wortkargen Männern aus der Umgebung findet sie zwei Unterstützer: den ehemaligen Holzfäller Lester und den etwas beschränkten Nate. Zu dritt fahren sie durch tiefe Wälder und verlassene Kaffs, befragen eigenwillige Gestalten, stets auf der Suche nach Blackway. Freemans kurzer Roman wird von Lilians Energie getragen, von ihrem Willen und ihrer Unbeugsamkeit. Die  Dialoge, schnell wie Ballwechsel beim Tennis oder Badminton, sind kleine Kunstwerke.  Etwa zwei Drittel des Romans werden von diesen Gesprächen dominiert, der Rest besteht aus klaren Schilderungen der Landschaft und ihren Bewohnern.

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