Interview · Krimis & Thriller

Im Interview: Martha Grimes

grimesDie 84-jährige Martha Grimes zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen der Gegenwart. Berühmt wurde sie durch ihre Serien um Inspektor Jury und die Kinderermittlerin Emma Graham. Soeben ist Jurys 23. Fall erschienen, „Inspektor Jury und die Frau in Rot“ (Goldmann).

Ihr neuer Roman heißt im Original „Vertigo 42“, und wie bei Hitchcock stürzt darin eine Frau von einem hohen Gebäude. Hat Sie sein „Vertigo“ inspiriert? Das glaubt jeder, aber so war es nicht. Die Inspiration kam durch die Bar gleichen Namens auf dem Dach des Tower 42 in London.

Aber es ist doch nicht Zufall, dass der Sturz der Frau an Hitchcocks „Vertigo“ erinnert. Sie haben recht. Beim Romantitel „Vertigo 42“ hatte ich natürlich das zwingende Gefühl, irgendjemand von einem hohen Gebäude stürzen lassen zu müssen. Ich habe auch weitere Hitchcock-Referenzen eingebaut. Meine Hauptfigur Inspektor Jury ist schließlich ein großer Fan des Meisters – so wie ich.

Auch viele frühere Titel Ihrer Jury-Reihe tragen Namen von Bars oder Pubs. Was fasziniert Sie an diesen Worten? Sie begeistern und inspirieren mich! Oft habe ich erst einen Pubnamen, und danach entwickle ich den Plot aufgrund meiner Assoziationen. In „The Black Cat“ (Deutsch: „All die schönen Toten“) spielt eine schwarze Katze eine wichtige Rolle. „The Horse You Came In On“ („Fremde Federn“) ist ein Pub in Baltimore, auf den ich stieß, als ich an der Johns Hopkins Universität unterrichtete.

Sie haben sich öffentlich zu Ihrer früheren Alkoholabhängigkeit bekannt und mit ihrem ebenfalls süchtigen Sohn ein Buch darüber geschrieben. Wie kam es dazu? Ich wusste, dass nie zuvor ein Elternteil und sein Kind über diese Sucht geschrieben hatten. Das hat mich gereizt. Ich dachte mir, dass so ein Buch ein viel größeres Publikum erreichen könnte als die üblichen Bekenntnisse. Mein Sohn und ich waren zwei völlig unterschiedliche Trinker, wir haben zwei unterschiedliche Entzugsarten gewählt, und wir waren beide erfolgreich. Über diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten wollte ich schreiben – so einfach ist das.

Welchen Einfluss hatte die Sucht auf Ihren Schreibprozess? Ich hatte Glück, dass ich trotz meines enorm hohen Alkoholkonsums auf einem sehr hohen Level funktionieren konnte. Mein Vorteil war, dass ich nur morgens und vormittags geschrieben habe. Mit dem Trinken begann ich erst danach.

Inspektor Jury und sein Kollege Melrose Plant genehmigen sich regelmäßig ein paar Gläser Guinness, Port und Martini. Haben Sie je darüber nachgedacht, sie zu Abstinenzlern zu machen? Machen Sie Witze? Meine Geschichten spielen in und um Pubs. Ohne Alkohol würden sie nicht funktionieren. Für mich haben sie auch einen Stellvertreter-Effekt. Denn wenn ich über Jury und seine Freunde schreibe, wie sie da im „Jack and Hammer“ sitzen, dann genieße ich das, ohne selbst trinken zu müssen. Außerdem: Jury hat aufgehört zu rauchen. Er musste also schon genug leiden.

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