Der Straßenverkäufer von Istanbul

pamukEs gibt sie noch. Die großen Romane, bei deren Lektüre man hofft, sie mögen nie enden. Obwohl sie knapp 600 Seiten lang sind.“Diese Fremdheit in mir“ (Hanser) von Orhan Pamuk ist so ein Werk. Eine großartige, umfassende Geschichte, erzählt aus kleiner, individueller Perspektive. Ein Roman über das Leben des Straßenverkäufers Mevlut – und gleichzeitig ein Roman über die Entstehung des modernen Istanbuls, über die gesellschafts- politischen Entwicklungen in der Türkei von den 1960er Jahren bis zur Gegenwart. Pamuk ergründet sie also wieder, die melancholische Seele seiner Geburtsstadt – ein zentraler Aspekt seiner schriftstellerischen Tätigkeit, für die er 2006 den Literaturnobelpreis bekam. Wie Mevlut mit seinem Vater aus einem anatolischen Dorf nach Instanbul kommt, wie er dort lernt, auf der Straße Boza, Eis und Joghurt zu verkaufen, wie Mevlut älter wird und selbst eine Familie gründet, wie sich die Welt um ihn herum wandelt, das alles schildert Pamuk in milden, klaren Worten. Und er lässt seine Protagonisten selbst zu Wort kommen: Mevluts Freunde, Kollegen und Verwandte berichten zwischendurch im O-Ton aus ihrer Perspektive. Ein einfühlsamer, lehrreicher Roman über den Alltag der kleinen Leute in Istanbul. Und noch viel mehr: Komplexes Familienepos, tragische Liebesgeschichte und soziologische Metropolenstudie.

Ebenfalls ein Hochgenuss: Das Hörbuch mit 19 Stunden Laufzeit (Der Hörverlag). Mit Hans Zischler als Hauptsprecher sowie u.a. Dietmar Wunder, Devid Striesow, Regina Lemnitz und Walter Kreye.

3 Kommentare
  1. Philipp Elph sagte:

    Pamuk war bei mir ein wenig in Vergessenheit geraten. Vielen Dank für den Tipp.

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