Im Interview: Shida Bazyar

bazyar„Nachts ist es leise in Teheran“ (Kiepenheuer & Witsch) heißt der Debütroman von Shida Bazyar. Die 27-jährige studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, war Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Inzwischen lebt sie in Berlin und arbeitet halbtags als Bildungsreferentin. Hier Auszüge aus meinem Interview:

In Ihrem Roman beschreiben Sie, wie eine Familie aus Iran nach Deutschland flüchtet und hier ein neues Leben aufbaut. Wie nah ist diese Geschichte an den Erlebnissen Ihrer Eltern? Die Fakten und das grobe biografische Paket meiner Eltern sind sehr nah am Roman, mehr aber nicht. Meine Eltern waren in der iranischen Revolutionsbewegung von 1979 aktiv und flüchteten 1987. Ein Jahr später kam ich zur Welt. Im Roman wird die Tochter bereits in Iran geboren. Natürlich habe ich neben eigenen Recherchen viel im Familienkreis über die Revolution in Iran gesprochen und von meinen Eltern erfahren, wie es war, als Asylbewerber in Deutschland zu sein ohne ankommen zu dürfen. Beim Schreiben habe ich mich allerdings ganz schnell davon verabschiedet, auf meine Familie zu gucken.

Warum? Wie die meisten Menschen eignen sich meine Verwandten eher nicht als Romanfiguren. Aber das war nicht der Hauptgrund. Vielmehr wollte ich wissen, was ich mit meiner Fantasie aus den Fakten entwickeln kann. Das war der größte Spaß, der wichtigste kreative Prozess. Letztlich hat das Buch also nicht viel mit meiner Familie zu tun, obwohl es auch die Geschichte meiner Familie sein könnte. Genauso wie die Geschichte vieler anderer Familien, die – egal woher – nach Deutschland geflüchtet sind.

Sie erzählen „Nachts ist es leise in Teheran“ aus vier Perspektiven auf vier Zeitebenen. Wieso haben Sie sich für diese ungewöhnliche Form entschieden? Mein Grundkonzept war von Anfang an, unterschiedliche Stimmen und Generationen über Flucht und Integration sprechen zu lassen. Dass der politische Vater im Kapitel über die Revolution 1979 die Hauptrolle spielt, war klar. Ebenso wie die Perspektive der selbstbewussten emanzipierten Ehefrau, die sich 1989 in Deutschland zurechtfinden muss. Beide Figuren sollten nicht die typische Opferhaltung von Flüchtlingen haben. Dass deren Kinder von ihren Erlebnissen 1999 und 2009 erzählen, hat sich beim Schreiben ergeben. 2009 stand für mich wegen der grünen Revolution in Iran als Schlusspunkt fest.

Gibt es eine Heimat für Sie? Ich gehöre vielleicht zu der Generation, die mit diesem Begriff sowieso nichts anfangen kann. Das ist ein Wort, das ich aus Geschichten, Romanen und Bilderbüchern kenne, aber es ist nicht ein Wort das etwas mit mir als Ich zu tun hat. Das, was mit Heimat gemeint ist, ist bei mir noch nie an Orte gekoppelt gewesen, sondern mehr an mich selbst oder Menschen um mich herum.

Das komplette Interview erscheint in der März-Ausgabe des Magazins MÜNCHNER FEUILLETON (www.muenchner-feuilleton.de).

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