Neuerscheinung · Rezension

Tomatenrot

woodDer „neue“ Roman von Daniel Woodrell. Im Original 1998 erschienen, jetzt neu übersetzt bei Liebeskind. Und warum „Tomatenrot“?

Dieses Mädchen war winzig und unerbittlich. Ihr Kopf sah aus wie eine robuste Tomate nach einem heftigen, reinigenden Wolkenbruch. Sollte ich jemals einen Mustang, Baujahr `65, Vier-Gang mit Faltdach besitzen, dann musste er die Farbe ihrer Haare haben.“

Da ist es wieder. Woodrells Markenzeichen: seine genialen Metaphern, die man schon aus „Winters Knochen“ oder „In Almas Augen“ kennt. Woodrell schreibt versiert, schonungslos, cool und authentisch über Außenseiter, das ist auch in „Tomatenrot“ so, wenngleich dies nicht sein bester Roman ist. Hauptfigur Sammy, ein Kleinkrimineller aus dem Hochland Missouris, säuft, stiehlt, kifft und schlägt Zeit tot. In den Geschwistern Jamalee und Jason findet er Gleichgesinnte, und die drei hangeln sich durch ihr tristes Leben. Woodrells Talent für außergewöhnliche Vergleiche blitzt auch in diesem kurzen Roman auf. Noch mehr Beispiele? Bitteschön:

Eine Senke voll kleiner eckiger Häuser, die sich ein wenig zur Seite neigten wie ein Haufen Trinker, die nicht mehr so gut hören.“

Das Klirren hörte sich an wie herzlicher Applaus“

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