Neuerscheinung · Rezension · Romane

Georgisches Partyvolk

adiGeorgien? Bis jetzt ein weißer Fleck auf der Literatur-Weltkarte. Aber jetzt kommt Zaza Burchuladze, 42 Jahre, ein provokanter Autor aus Tiflis. In seinem ersten auf Deutsch veröffentlichten Roman „Adibas“ (Blumenbar) beschreibt er Neureiche, Hipster, Fashion-Junkies und Kreative – sie dröhnen sich mit Alkohol und LSD zu, tanzen, drehen Pornos und pfeifen auf den Krieg gegen Russland, der vor den Toren von Tiflis tobt. In edlen Restaurants und an noblen Pools treffen sie auf „Gangsterwitwen mit Silikonbrüsten, cellulitegeplagte Ehefrauen reicher Geschäftsleute, spermaschluckende Barbies mit überdimensionalen Sonnenbrillen, schwule Techno-Jünger mit Bauchnabelpiercings“. Was diese bunte Truppe vereint, ist ihre Leugnung des Krieges, ihre Abkehr von der Politik. Das schonungslose Porträt einer partygeilen Generation wurde von religiösen Extremisten verbrannt, vom Ministerpräsidenten Georgiens angeprangert, und Zaza Burchuladze wurde niedergeschlagen. Inzwischen lebt er sicher in Berlin. Und sein krasser, stilistisch vielfältiger Roman wird verkauft, ohne einen Skandal auszulösen.

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