Im Interview: Sebastian Fitzek

fitzekKein anderer deutscher Thrillerautor ist so erfolgreich wie Sebastian Fitzek. Die Bücher des 44-jährigen werden in 24 Sprachen übersetzt und erreichen eine Gesamtauflage von acht Millionen. Sein elfter Roman „Das Joshua-Profil“ (Lübbe) steht zurzeit auf Platz 2 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ich habe Fitzek interviewt – hier einige Auszüge:

Nach „Noah“ trägt Dein neuer Roman wieder einen biblischen Namen. Wie kam es dazu? Mir ist ein hoher Wiedererkennungswert wichtig, und der Titel sollte zum Inhalt passen. Joshua war ein Prophet, insofern passt der Name perfekt zum Thema Verbrechensvorhersage. Bei „Noah“ ging es unter anderem um die Überbevölkerung, also gab es auch hier eine Übereinstimmung. Beide Namen sind allerdings auch die Vornahmen zweier meiner Kinder.

Bist Du bibelfest? (Lacht) Nein, überhaupt nicht. Ich habe mir zwar schon vor Jahren eine Kinderbibel gekauft. Aber alle Jünger Jesu kann ich leider nicht aufzählen. Mein Interesse entwickelte sich weniger aus theologischer denn aus psychologischer Sicht, denn ich glaube, dass wir einen Großteil unserer Probleme daraus ziehen, dass wir nicht genau wissen woher wir kommen und wohin wir gehen. Darauf gibt die Bibel dann ja doch einige Antworten.

Ist irgendein Spruch oder Zitat hängengeblieben? Ja: „Am Anfang war das Wort“. Das habe ich auch einmal in einem meiner Bücher verwendet und darüber mit einem Theologen diskutiert. Denn meiner Meinung nach besteht in dieser Aussage ein kleiner Widerspruch. Ich hoffe, dass nicht das Wort am Anfang war, sondern der Gedanke, der dieses Wort geformt hat. Denn sonst wäre Gott jemand, der erst redet und dann denkt.

Deine neue Hauptfigur gerät unter Verdacht, weil ihre Daten sie als potentiellen Verbrecher ausweisen. Existieren solche polizeilichen Ermittlungsprogramme wirklich? Ja. Verbrechensvorhersage, das sogenannte „Predictive Policing“, verbreitet sich in hoher Geschwindigkeit. Schon 2014 berichteten deutsche Medien über Big Data in der Polizeiarbeit und die ethischen Fragen, die sich daraus ergeben. Die Londoner Metropolitan Police hat offenbar mit einer Software einen Testlauf durchgeführt. Dieser Algorithmus macht sich die Perspektive des potentiellen Täters zu eigen und schätzt ab, zu welcher Zeit und an welchen Orten eine Straftat zu begehen am wenigsten riskant wäre – und kehrt sie um. Im Berliner Innenausschuss des Abgeordnetenhauses wurde über die Einführung einer „Precops“-Sorftware beraten. Und in Bayern sind damit angeblich bereits erste polizeiliche Erfolge erzielt worden.

Leser erwarten von Thrillerautoren außergewöhnliche Figuren und faszinierende Kriminalfälle, die gleichzeitig realistisch sein sollen. Ein Widerspruch? Ein sehr großer! Denn die Realität ist meist erschreckend banal. Kriminologen bestätigen, dass es es sich in rund 90 Prozent aller Verbrechensfälle um stumpfe, dumpfe Gewalttaten handelt. Hinzu kommt: Etwa 90 Prozent aller Täter stammen aus dem nahen Angehörigenfeld, was die Ermittlungsarbeit auch nicht gerade spannend macht. Das heißt, um einen mitreißenden Plot zu bauen und um das Böse zu verstehen, taugt die Realität nur bedingt.

 

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